Wien. Gäste reservieren in einem Restaurant einen Tisch und erscheinen dann einfach nicht: Sollen Wirte dagegen mit Stornogebühren vorgehen? Darüber wird seit Jahren debattiert. Laut einem Bericht von ?orf.at? greifen Wirte nun vermehrt zu dieser Maßnahme, geschätzte 200 Gastronomen sollen es in Wien bereits sein.

Peter Dobcak, Obmann der Fachgruppe Gastronomie in der Wiener Wirtschaftskammer, geht davon aus, dass rund fünf bis zehn Prozent der Reservierungen nicht eingehalten werden. ?Zugenommen hat das in den vergangenen Jahren nicht.? Doch seien die Rahmenbedingungen für Gastronomen wesentlich schwieriger geworden. ?Es wird immer enger mit der Kalkulation?, sagt Dobcak. Daher würden sich die Wirte nun weniger gefallen lassen - und auch bei Reservierungen strenger vorgehen: ?Für mich ist das auch eine Frage der Erziehung und der Wertschätzung der Branche gegenüber.?

Üblicher sind Stornogebühren in der gehobenen Gastronomie in der Innenstadt, wie ein Rundruf der ?Wiener Zeitung? ergab. Im Fokus stehen dabei größere Gruppen. Beim Nobelrestaurant ?Fabios? etwa müssen Gruppen ab sechs Personen fünfzig Euro pro Person zahlen, wenn sie ihre Reservierung unentschuldigt nicht wahrnehmen. ?Die kleinen Tische sind nicht das Problem, die können nachbesetzt werden. Es geht um die großen Tische, die tun weh? sagt Geschäftsführer Fabio Giacobello.

Grundsätzlich sei eine Stornierung bis 15 Uhr am gleichen Tag möglich. ?Wenn jetzt jemand um 17 Uhr anruft und sagt, dass die Gruppe nicht kommen kann, habe ich auch kein Problem. Wir sind da sehr kulant?, erklärt er. Dementsprechend selten komme es wirklich zu einer Verrechnung von Stornogebühren.

?Mir geht es darum, bei den Menschen ein Bewusstsein zu schaffen, damit sie zum Telefon greifen und absagen?, hält Giacobello fest. Tauche der Gast aber dann doch unentschuldigt nicht auf, werde dieser verständigt, dass der Betrag von seiner Kreditkarte, die er bei der Gruppenreservierung angeben musste, abgebucht wird.

?Wir wollen den
Gast nicht erziehen?

Keine Stornogebühren werden hingegen im ?Schwarzen Kameel? verlangt. ?Wir wollen den Gast nicht erziehen?, sagt Geschäftsführer Peter Friese. Das Problem, das Gäste, die reserviert haben, nicht erscheinen, habe er manchmal durchaus. An Tagen, an denen es besonders viele Reservierungen gebe, rufe man dann aber noch einmal die Gäste an und frage, ob sie wirklich kommen.