Wien. Die Staatsanwaltschaft Wien hat gegen einen 40-jährigen Mann Mordanklage erhoben. Er soll im vergangenen September seine Verlobte kurz vor der geplanten Hochzeit in ihrer Wohnung in der Leopoldstadt mit einem Küchenmesser getötet haben.

Der Angeklagte, ein gebürtiger Iraker, der 2004 nach Österreich geflüchtet war, war erst wenige Wochen zuvor bei der Frau eingezogen. Die Frau verlobte sich mit ihm, es kam immer wieder zu Streitigkeiten. Die 50-Jährige kritisierte ihren Partner dafür, dass er keiner Arbeit nachging und in ihrer Bleibe Alkohol und Cannabis konsumierte. Am 8. September hielt sie ihm vor, er zerstöre ihr Leben. Daraufhin soll dieser ein Küchenmesser genommen und auf sie eingestochen haben. Die Frau starb an Ort und Stelle.

Strafe nicht angetreten

Der Angeklagte hätte sich zum Tatzeitpunkt nach drei rechtskräftigen gerichtlichen Verurteilungen im Gefängnis befinden müssen. 2010 wurde er wegen versuchter schwerer Erpressung zu zwei Jahren teilbedingt, 2016 wegen Schlepperei zu einem Jahr teilbedingt und im August 2017 wegen Körperverletzung zu neun Monate unbedingt verurteilt.

Im Jänner 2018 wurde er aufgefordert, seine Strafe anzutreten. Er beantragte einen Strafaufschub, indem er unter Verweis auf eine vorgebliche Depression und posttraumatische Belastungsstörung Vollzugsuntauglichkeit geltend machte. Die Justiz ließ ein Gutachten einholen, das ihm Vollzugstauglichkeit bescheinigte. Diesen Beschluss bekämpfte der Mann beim Oberlandesgericht, am 24. Juli wurde der Strafaufschub endgültig abgelehnt. Statt seine Strafe anzutreten, tauchte der Iraker unter - wie sich herausstellte, indem er unangemeldet bei der später Getöteten einzog.