- © dpa-Zentralbild/Patrick Pleul
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Wien. Die Kampagne "Leben im toten Winkel" aus Anlass eines getöteten Neunjährigen im Februar dieses Jahres machte auf die Frage der Schulwegsicherheit aufmerksam. Der geforderte elektronische Abbiegeassistent für Lkw, dem letztlich eine Absage erteilt wurde, ist dabei nur eine von mehreren international erprobten Maßnahmen.

Interessant ist dabei: Bei der Verkehrssicherheit vollzieht sich gerade ein Paradigmen-Wechsel. Hatte man früher das Augenmerk vor allem darauf gelegt, das Verhalten potenzieller Opfer zu ändern und Kinder (und Eltern) mit Hilfe von Verkehrserziehung auf die Gefahren im Straßenverkehr vorzubereiten, gilt dieser Ansatz inzwischen als nicht mehr ausreichend bzw. als überholt. "In der Vergangenheit wurden viele Maßnahmen gesetzt, damit Kinder verkehrsgerecht werden", analysiert Christian Gratzer vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ), "vernachlässigt wurden Maßnahmen, die das Verkehrssystem kindgerecht machen."

Wie aber wird der Straßenverkehr kindgerecht? Wir haben acht bewährte Maßnahmen herausgegriffen, die Eltern die Sicherheit geben, dass ihre Kinder heil in der Schule ankommen.

1.Tempo 30

Die flächendeckende Herabsetzung des Geschwindigkeits-Limits auf Tempo 30 zählt zu den effizientesten Instrumenten, um die Verkehrssicherheit deutlich anzuheben: Empirische Studien zeigen, dass Tempo 30 in der Stadt die Zahl der Verkehrsunfälle und der verletzten Personen um 20 bis 30 Prozent senkt. Eine Studie des Internationalen Verkehrsforums der OECD vom März 2018 empfiehlt Tempo 30 als Höchstgeschwindigkeit im Ortsgebiet überall dort, wo Personen auch nicht-motorisiert unterwegs sind.

2. Schulstraßen

Straßen vor Schulen zumindest während der Unterrichtszeiten vom Autoverkehr zu befreien, ist ein immer häufiger gebrauchtes Instrument. Vorreiter bei den Schulstraßen war Südtirol; inzwischen gibt es sie immer häufiger auch in österreichischen Gemeinden. Ein Beispiel ist der "Gut-Geh-Raum" der 2017 neu errichteten Volks- und Hauptschule Schendlingen in Bregenz. Mit dem mehrfach preisgekrönten "Gut-Geh-Raum" setzte die Gemeinde ein Kfz-Fahrverbot an Schultagen von 7.15 bis 17 Uhr in Kraft, reduzierte Pkw-Parkplätze und schuf Platz zum Abstellen von Fahrrädern. Schulstraßen gibt es inzwischen in zahlreichen Gemeinden. Die Stadt Salzburg führte sie zuletzt vor sechs Volksschulen (Campus Mirabell, Morzgasse, Lehen 1 und 2 sowie Maxglan 1 und 2) ein. In Wien fand im Herbst vor der Volksschule in der Vereinsgasse der Leopoldstadt ein erster Pilotversuch statt; weitere Standorte werden laut Mobilitätsagentur derzeit geprüft.