Wien. Die dritte Start- und Landepiste am Flughafen Wien kommt jetzt fix. Das ist seit dieser Woche bekannt. Der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) hat wie berichtet als letzte Instanz die Einsprüche von Bürgerinitiativen abgelehnt. Damit ist die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) abgeschlossen und der börsennotierte Flughafenbetreiber darf nach 12 Jahre dauerndem UVP-Verfahren mit rechtskräftiger Genehmigung die Piste bauen. In Betrieb gehen wird sie aber angesichts der langen Bauzeit wohl erst frühestens 2030. Denn der Flughafen ist noch nicht einmal Eigentümer der Grundstücke, auf denen die Piste gebaut werden soll - und die Bundesstraße B10 muss auch noch extra verlegt werden.

Flugrouten noch offen

Und nach wie vor warnen Kritiker unter anderem vor einer verstärkten Fluglärmbelastung durch den Bau der dritten Piste - schließlich könne mit dieser die Start- und Landekapazität enorm gesteigert werden: Mehr Flugzeuge, mehr Lärm, lautet die Befürchtung.

Beim Flughafen Wien spricht man hingegen von einer "deutlichen Entlastung" durch die dritte Piste. Zumindest, was die Flüge über Wien betrifft. Tatsache ist aber, dass die Flugrouten, die im Drei-Pisten-System zu verwenden wären, noch gar nicht festgelegt sind. Das muss erst mit den Betroffenen und der Austro Control verhandelt werden. "Das garantiert, dass die technisch aktuellsten Entwicklungen in der Flugrouten-Planung berücksichtigt werden können", erklärt Günther Ofner, Vorstand der Flughafen Wien AG, der "Wiener Zeitung".

Für den neuen Flughafen in Berlin wurden laut Ofner die Flugrouten bereits im Jahr 2012 verbindlich festgelegt, obwohl der Airport frühestens im Herbst 2020 eröffnet wird. Die technischen Möglichkeiten, die sich bis dahin aus neuen Flugzeugtechnologien, Flottenstrukturen bei Airlines usw. ergeben, könnten damit gar nicht mehr berücksichtigt werden. "In dieser Zeit haben mit dem Airbus A380 und dem Boeing 788 Dreamliner die zwei umweltfreundlichsten Flugzeuge den Linienbetrieb nach Wien aufgenommen, die Triebwerke werden leiser und energieeffizienter", gibt Ofner zu bedenken.

Aber eins ist für die dritte Piste bereits jetzt schon klar: Sie darf aus der Wiener Richtung nur "gekurvt" und damit nicht über Wiener Stadtgebiet angeflogen werden. Das wurde bereits im Mediationsvertrag festgeschrieben. So wie die dritte Piste geplant ist, können die Flugzeuge angeblich an den Ortschaften vorbeigeführt werden. "Für die Luftfahrtindustrie wäre eine nähere Lage besser gewesen, weil damit Rollzeiten und Treibstoffverbrauch geringer werden", erklärt Flughafensprecher Peter Kleemann.