Wien. (dab) Der Fall hatte für Aufsehen gesorgt: In der Silvesternacht brach eine 21-jährige Touristin aus der Schweiz einem Mann am Wiener Rathausplatz die Nase. Zuvor soll der 20-jährige Afghane ihr und anderen Frauen auf das Gesäß gegriffen haben. Der Mann wurde wegen sexueller Belästigung, die Frau wegen Körperverletzung angezeigt. Die "Wiener Zeitung" berichtete.

Wie die "Kronen Zeitung" am Mittwoch vermeldete, wurden die Ermittlungen eingestellt. "Das Ermittlungsverfahren hat nun ergeben, dass die Frau davon ausgegangen ist, dass sie unmittelbar zuvor von ihm berührt wurde", zitierte die "Kronen Zeitung" Judith Ziska, Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft Wien. Die von der Schweizerin ausgeübte Gewalt sei gerechtfertigt gewesen, da sie in angemessener Weise einen Angriff auf ihre sexuelle Integrität und Selbstbestimmung abgewehrt habe. Auch gegen den Mann wird kein Strafantrag eingebracht. "Es konnte nicht mit der erforderlichen Sicherheit festgestellt werden, ob er sich der sexuellen Belästigung schuldig gemacht hat", so Ziska. Zudem habe die Frau den Mann nicht zweifelsfrei wiedererkennen können.

Der Grundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten" muss bei jedem Beschuldigten getrennt angewendet werden. Daher ist bei der Frau im Zweifel anzunehmen, dass sie der Mann angegriffen hat. Beim Mann gilt, dass es im Zweifel ein anderer Täter war.