Wien. Mit monatlichen Mieten von bis zu 600 Euro pro Quadratmeter ist das "Goldene H" in der Wiener Innenstadt Österreichs teuerstes Viertel für Geschäftsmieten. Das berichtete Otto Immobilien am Dienstag. Das "Goldene H" bilden Kärntner Straße, Stephansplatz, Rotenturmstraße, Graben, Kohlmarkt und die Tuchlauben. Laut dem Bericht gehört dieses Viertel zu den zehn exklusivsten Lagen weltweit. Die Spitzenmieten werden für ausgesuchte Erdgeschoßlagen verlangt, so Otto Immobilien.

"Die Mieten in diesem Bereich liegen weit über dem, was man in Wien durchschnittlich verlangen kann. Das sind Ausreißer", erklärt Karl Wiesflecker, stellvertretender Obmann der Fachgruppe Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der Wiener Wirtschaftskammer. Zum Vergleich: In einer "normalen" Wiener Geschäftsstraße seien Mieten zwischen 10 und 30 Euro pro Quadratmeter üblich, so Wiesflecker. Und auch in der Innenstadt sinke der Preis "mindestens um das Doppelte oder Dreifache", wenn man mit seinem Geschäft von den Top-Standorten in eine Nebengasse ausweiche, erklärt der Fachmann.

Dass sich die Spitzenpreise auf ein überschaubares Viertel konzentrieren, dafür macht Wiesflecker die Globalisierung verantwortlich: "Egal, ob man in Wien, Berlin, Paris oder London unterwegs ist: Überall sind es die gleichen Anbieter, die ihre Top-Marken zusammenführen. Das ist in Weltstädten nun einmal so."

Über Marke subventioniert

Diese Anbieter können sich solche Mietpreise auch leisten, wollen sie doch durch den prestigeträchtigen Ort einen Werbeeffekt für ihre Marke generieren. "An einem Standort kann nicht der Umsatz erwirtschaftet werden, um eine Miete von 600 Euro pro Quadratmeter bezahlen zu können. Das ist mit betriebswirtschaftlichen Mittel nicht mehr möglich und wird über die Marke quersubventioniert", sagt Wiesflecker.

Dementsprechend ist es für angestammte Wiener Unternehmer, hinter denen kein Konzern mit einer starken Marke steht, nahezu unmöglich, an einem solchen Standort zu bestehen: "Wenn, dann sind es ganz kleine Geschäfte mit vielleicht 30 Quadratmetern", so Wiesflecker. Grundsätzlich sieht der Fachmann auch weiterhin Spielraum für Preiserhöhungen: "Die große Frage wird aber sein, inwiefern ein Standort für Werbezwecke noch Bedeutung hat. Wenn sich das Konsumverhalten nur mehr im Internet abspielt, wird es einen Deckel nach oben geben."

Auf der Überholspur ist laut dem Otto Immobilien-Bericht auch die Mariahilfer Straße. Sie verfügt über 130.000 Quadratmeter Geschäftsfläche. Dort beträgt der Mietpreis zwischen 50 und 150 Euro pro Quadratmeter. Die Umgestaltung zur verkehrsberuhigten Zone hatte laut dem Bericht, im Gegensatz zu manchen Befürchtungen, sogar einen Anstieg der Passantenfrequenz zur Folge. Weitere Impulse für die Einkaufsmeile werden vom künftigen U-Bahnknotenpunkt U2/U5 im Bereich Kirchengasse, von der Umgestaltung der Leiner-Filiale in ein Luxus-Kaufhaus sowie der Ansiedlung der ersten innerstädtischen Ikea-Filiale beim Westbahnhof erwartet.

Eine der expansivsten Branchen sei dabei die Gastronomie. Durch eine markante Steigerung der Expansion setze besonders die Systemgastronomie ein Zeichen, dass noch genügend Marktpotenzial vorhanden sei.