Wien. Vier junge Priester haben in den vergangenen Tagen ihre Primizen gefeiert, nachdem sie im Zisterzienserstift Heiligenkreuz von Kurienerzbischof Georg Gänswein (dem Privatsekretär des emeritierten Papstes Papst Benedikt XVI.) geweiht wurden. Zumindest einer von ihnen bleibt der Erzdiözese Wien aber nicht wirklich erhalten: Pater Isaak Maria Käfferlein ist nämlich schon wieder auf dem Weg zurück nach Neuzelle in Brandenburg, wo er gemeinsam mit fünf Ordensbrüdern ein altes Zisterzienserkloster wiederbelebt, das seit 200 Jahren nicht mehr von Mönchen besiedelt war.

Vor gut einem Jahr wurden die "Gründermönche" nach Neuzelle südlich von Frankfurt an der Oder geschickt. "Wir wohnen im dortigen Pfarrhaus gegenüber der Stiftskirche. Also ganz so romantisch, dass eine Handvoll Mönche in ein Sumpfgebiet ziehen und ein heruntergekommenes Kloster wieder aufbauen, ist es nicht", sagt Pater Isaak im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" schmunzelnd. "Das Kloster ist sehr gut restauriert. Aber es ist durch eine Schule besetzt." Deshalb haben die Zisterzienser in Neuzelle tatsächlich Großes vor: Es soll nämlich ein komplett neues Kloster gebaut werden. Ein Grund dafür sind die Besitzverhältnisse, und dass der Stiftsplatz kulturell intensiv genutzt wird, was die Kontemplation der Mönche beeinträchtigt. Außerdem denken die Zisterzienser nicht in Jahrzehnten, sondern in Jahrhunderten und wollen sich nicht irgendwo einmieten, sondern ein eigenes Grundstück erwerben.

Von wegen langweiliges Klosterleben: Pater Isaak spielt auch leidenschaftlich Fußball. - © privat
Von wegen langweiliges Klosterleben: Pater Isaak spielt auch leidenschaftlich Fußball. - © privat

"Mönchs-WG" in Neuzelle

Für Pater Isaak, der "als eine Art Auswechselspieler für einen anderen Mönch" nach Neuzelle gekommen ist, war es schon eine Umstellung, vom weitläufigen, recht stillen Kloster in Heiligenkreuz in "eine Art Mönchs-WG" zu übersiedeln. Die Zisterzienser aus Heiligenkreuz sind ins Pfarrleben voll eingebunden und werden bald auch den Pfarrer stellen. "Es war den Katholiken, die ja hier mit zwei, drei Prozent Bevölkerungsanteil eine Minderheit sind, ein echtes Gebetsanliegen, dass sich endlich wieder Mönche in Neuzelle ansiedeln", erzählt Pater Isaak. "Das war ja auch in der DDR eine verfolgte Kirche hier."

Alle sechs Zisterzienser in Neuzelle sind Deutsche. Als gebürtiger Bayer "weiß ich allerdings nicht, ob ich da wirklich gut aufgehoben bin", meint Pater Isaak schmunzelnd. Er fühlt sich in Neuzelle aber von allen - auch den Nicht-Katholiken - sehr herzlich aufgenommen, "nicht nur beim Fußballspielen, sondern auch im Supermarkt, wenn mich Leute einfach so ansprechen".