Wien. (dab) "Dieses Mal weiß ich, es ist Endstation": Geläutert gab sich am Dienstag ein Angeklagter, der am Wiener Straflandesgericht zu zweieinhalb Jahren Haft, davon vier Monate unbedingt, verurteilt wurde. Der 28-jährige Mann soll, wie Oberstaatsanwalt Norbert Hauser ausführte, "alles gefälscht haben, was man fälschen kann".

Mittels falscher Atteste hat er sich laut Anklage etwa einen Behindertenpass und diverse Sozialleistungen verschafft. Und auch seinen Jus-Abschluss soll er sich mittels manipulierter Prüfungszeugnisse erschlichen haben. "Der Angeklagte war sehr erfinderisch und kannte keine Grenzen", sagte Hauser.

Dank seines vermeintlichen Abschlusses wurde der 28-Jährige bei einer NGO in der Rechtsberatung eingestellt. Flüchtlingen soll er erklärt haben, er könne gegen Entgelt ihr Verfahren beschleunigen und dafür sorgen, dass negative Asylbescheide in positive umgewandelt werden. Ein Flüchtling erstattete Bericht, wodurch die Ermittlungen in Gang kamen.

"Er ist ein anderer Mensch"

Der Angeklagte, dem Bestechlichkeit, Urkundenfälschung und schwerer gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen wird, landete in Untersuchungshaft. Der Mann bekannte sich erneut vollinhaltlich schuldig. Er stand bereits im April vor Gericht, der Einzelrichter fällte aus formalen Gründen aber ein Unzuständigkeitsurteil - die "Wiener Zeitung"  berichtete. Nun wurde die Verhandlung vor einem Schöffensenat wiederholt.

Er sei in einen Teufelskreis geraten, dadurch habe er immer mehr und mehr Straftaten begangen, erklärte er sein Handeln. Nun habe er seine Fehler aber eingesehen: "In der Justizanstalt ist mir einiges bewusst geworden", sagte er. "Er ist nun ein anderer Mensch", meinte auch sein Verteidiger Nikolaus Rast.

Der Angeklagte nahm das Urteil an, Staatsanwalt Hauser gab keine Erklärung ab, das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.