Wien. Gezeichnet von seinem schweren Diabetesleiden, humpelt der Angeklagte U. in den Gerichtssaal. Tiefe Augenringe haben sich um seine Falkenaugen geschlungen, schon das Aufstehen bereitet dem 64-Jährigen Mühe. Gute Umgangsformen werden ihm von allen Seiten attestiert. Und so beantwortet er auch, in einen Anzug gekleidet, präzise und unaufgeregt alle Fragen.

Ja, er habe den Mord begangen; ja, er habe die Prostituierte erwürgt, zerstückelt, den Großteil der Leiche in den Neusiedler See geworfen und mit den anderen Teilen ein Gulasch gekocht; ja, das habe er alles getan, gesteht er, sachlich über die grausamen Details seiner Tat referierend.

Am Mittwoch wird er am Wiener Straflandesgericht wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt und in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen. Die Entscheidung der Geschworenen fällt einstimmig aus. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die angeklagte Tat hat sich am 29. März 2018 ereignet. U. hatte die 28-jährige Frau am Westbahnhof kennengelernt und in seine Wohnung geführt. Er habe die Prostituierte für Zärtlichkeiten bezahlt, so U. Doch habe die Frau plötzlich mehr Geld verlangt und zu schreien angefangen. Da habe er Angst bekommen, dass jemand die Polizei rufe: "Ich habe solange zugedrückt, bis sie nicht mehr geschrien hat."

30 Jahre in Haft

Warum das alles geschah, warum gerade ein harmlos wirkender Mann wie U., den sogar Psychiater als ungefährlich einstuften, so vorging, das versucht man beim Prozess zu ergründen. Vor allem seine Vergangenheit rückt dabei in den Mittelpunkt.

U. stammt aus dem Burgenland. Laut seiner Verteidigerin Astrid Wagner war seine Kindheit "verkorkst". Seine Mutter soll lieblos zu ihm gewesen und sich kaum um ihn gekümmert haben, gibt die Rechtsanwältin an.

Fest steht, dass U. 1977 das erste Mal verurteilt wurde. Er war 22 Jahre alt, als er versuchte, eine Radfahrerin in sein Auto zu zerren, um sie zu vergewaltigen. Der Frau gelang die Flucht, U. erhielt fünf Monate bedingt. Weitere Verurteilungen folgten in regelmäßigen Abständen.

Wegen versuchten Totschlags fasste er etwa 1985 neun Jahre Haft aus, außerdem wurde er in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen. 1997 vergewaltigte er seine Freundin, das Urteil: zwölf Jahre Haft und eine erneute Einweisung. Insgesamt verbrachte U. 30 Jahre seines Lebens im Gefängnis. Im Oktober 2016 wurde er bedingt aus dem Maßnahmenvollzug entlassen. Er sei nicht mehr gefährlich, bescheinigten ihm Psychiater.