Wien. Es hätte ein ganz gewöhnliches Frühstück an einem ganz gewöhnlichen Wochenende werden können, wäre da nicht dieser Artikel über ein Experiment gewesen: Eine Gruppe von Österreichern versucht, in einige Nachtlokale in den Gürtelbögen zu kommen, problemlos. Eine Gruppe von drei afghanischen Männern versucht dasselbe und scheitert großteils. Beide Gruppen waren gleich gekleidet. Leon Ahlers, Startup Berater, schlägt die Zeitung zu, nimmt das Handy zur Hand und ruft seinen Freund Nermin Kotlo an, Rechtsberater für Asylangelegenheiten bei der Diakonie. "Ist das legal? Kann man da nichts machen?"

Doch kann man. Wenn es um Diskriminierung geht, greift das Gleichbehandlungsgesetz, dass es in Österreich seit 2004 in seiner erweiterten Form gibt. Auch an den Verein Zara für Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit sowie an die Gleichbehandlungsanwaltschaft kann man sich wenden.

"Das Problem ist, beide Anlaufstellen sind dermaßen überfüllt mit Fällen, dass wir uns dachten, wir müssen das selbst in die Hand nehmen", sagt Nermin Kotlo. Die Idee zu Fairdoor war geboren. Das Konzept dahinter ist einfach: Wird jemandem offensichtlich aufgrund seiner ethnischen Zugehörigkeit der Zutritt zu einem Nachtlokal verwehrt, kann Fairdoor kontaktiert werden. Über ein Onlineformular, ein sogenannter Schnellcheck, wird die Situation geschildert. Liegt eine Diskriminierung vor, wird der Fall übernommen.

Gewinnt Fairdoor, erhält es die Hälfte der erstrittenen Summe

Gemeinsam mit engagierten Anwälten vertritt Fairdoor die Betroffenen vor Gericht - und zwar auf eigene Kosten. Wird der Fall verloren, haften die Gründer von Fairdoor mit ihrem eigenen Vermögen. Wird der Fall gewonnen, geht die eine Hälfte an die Kläger, die andere an Fairdoor. Dabei handelt es sich um einen Streitwert von 600 bis 1000 Euro, so ist es gesetzlich vorgesehen.

Geht das zusammen, ein gemeinnütziger Verein und Geldeinnahmen? "Wir wollen nichts verdienen, sondern uns engagieren. Das Geld wird dafür verwendet, weitere Prozesse zu ermöglichen", sagt Nermin Kotlo. "Aber ja, prozessieren kostet." Zu diesem Zweck startet Fairdoor auf der Online-Plattform respekt.net eine Crowdfunding Kampagne. Welchen finanziellen Schaden die Nachtlokalbesitzer davon tragen, wird sich erst weisen. Der Verein könnte sich aber vorstellen in einiger Zukunft, sobald sich das Konzept herumgesprochen hat, mit den Nachtlokalen zusammenzuarbeiten. Schließlich sollte es ein gemeinsames Interesse geben, niemanden aus rassistischen Motiven auszuschließen, so Kotlo.