Wien. Louis Knie junior trägt einen großen Nachnamen: Die 1806 begründete Dynastie Knie (deren Ahne ein Leibarzt der österreichischen Kaiserin Maria Theresia war) betreibt Zirkusunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz - darunter eben auch den 2005 gegründeten Circus Louis Knie. Der Quasi-Nachfolger des Österreichischen National Circus gastiert ab heute, Freitag, nach sechs Jahren wieder mit einem Programm in Wien, und zwar bei der Donaumarina (Wehlistraße 350). "Wir haben in den vergangenen Jahren keinen geeigneten Standort in Wien gefunden, deshalb haben wir nur die Zirkusschule in einem kleineren Zelt veranstaltet", erklärt der 44-jährige Direktor Louis Knie junior, dessen Kinder die achte Generation der Familie Knie bilden.

Der Nachwuchs steht auch im Zentrum des Geschehens, wenn die Artisten in die Sommerpause gehen - oder eben auch nicht. Denn eine Woche nach der letzten Wien-Vorstellung am 23. Juni beginnt der dreiwöchige Kinderzirkus, bei dem drei Gruppen von je 100 bis 120 Kindern von Montag bis Samstag (9 bis 16 Uhr) Nummern mit den Artisten einstudieren. 249 Euro kostet der je einwöchige Kurs (inklusive Verpflegung), am Ende gibt es eine große Abschlussvorstellung mit drei Stunden Programm bei vollem Licht- und Musikeinsatz.

Gefährlicher Balanceakt

Kevin Probsts Langohren sind weder dumm noch störrisch. - © Circus Louis Knie
Kevin Probsts Langohren sind weder dumm noch störrisch. - © Circus Louis Knie

Während für die Kleinen der Spaß im Vordergrund steht, leisten die Akrobaten bei ihrem fünfwöchigen Gastspiel in der Hauptstadt vorher zum Teil echte Knochenarbeit. Besonders spektakulär ist der Hochseilakt des kolumbianischen Duos Ortiz in zehn Metern Höhe inklusive Salto Mortale, das auch mit verbundenen Augen über das "Todesrad" balanciert.

Im Sommer gibt es drei Wochen lang einen Kinderzirkus. - © Circus Louis Knie
Im Sommer gibt es drei Wochen lang einen Kinderzirkus. - © Circus Louis Knie

Wie gefährlich solche Nummern sind, weiß Louis Knie junior aus eigener Erfahrung: "Sie sind vor vier Jahren bei uns am Premierenabend in Linz vom Hochseil gestürzt - eh in die Matratze hinein, aber sie konnten trotzdem danach vier Wochen lang nicht auftreten." Sicherheitsseil, Netz oder Matratze sind jedenfalls inzwischen Standard beim Zirkus. Echte Todesgefahr, wie noch in den frühen 1990ern, als etwa im Zirkus ATA (Artisten, Tiere, Attraktionen) zwei Akrobaten einander in luftiger Höhe nur mit den Zehen festhielten, und zwar dezidiert ohne jegliche Sicherung, wird heute nicht mehr gesucht. "Das Publikum reagiert heute viel mehr auf die Show als auf die große Leistung. Da werden Lichteffekte und Musik immer wichtiger", meint der Zirkusdirektor, der selbst mit bis zu 18 Pferden gleichzeitig in der Manege steht und mit seiner Dressurnummer heuer in Frankreich Festival-Gold geholt hat.

Vielleicht nicht ganz so elegant, aber dafür höchst unterhaltsam sind die acht Esel von Kevin Probst und die sieben Hunde von Sara Biasini-Berousek (sie zeigt auch die "Ungarische Post", eine ebenfalls ausgezeichnete rasante Reitnummer). Dass in der Manege immer mehr heimische Tiere Einzug halten, weil Nummern mit Exoten in Österreich verboten sind, daran hat sich das Publikum inzwischen gewöhnt. Ein bisschen wehmütig blickt Louis Knie junior dennoch in die Schweiz, wo der dortige Familienzweig noch Elefanten züchtet, und erinnert sich an seine eigenen Elefantendressuren samt Schleuderbrettsprüngen in den 1980ern. "Die Leute fragen auch heute noch an der Kasse nach Wildtieren. Manche sind früher nur wegen der Elefanten gekommen", meint er.

Lieber zentral in Großstadt

Tierdressuren stellen jedenfalls ein Drittel der Nummern im aktuellen Programm, hingegen gibt es nur einen Clown - der Franzose Mathieau, der zum ersten Mal in Österreich zu sehen ist, darf dafür mehrmals für Lacher sorgen und zieht den roten Faden durch die Zirkusshow. Auf dieses Engagement ist der Direktor auch sehr stolz, ebenso auf jenen Top-Jongleur, den er schon für die nächste Tour gewinnen konnte: "Er ist schon mehrmals bei meiner Familie in der Schweiz aufgetreten und beim Zirkusfestival in Monte Carlo ausgezeichnet worden. Aktuell ist er noch im Moulin Rouge in Paris engagiert."

Doch jetzt gilt einmal das Augenmerk dem aktuellen Gastspiel. Mit der Donaumarina hat sein
60 Mitarbeiter umfassender Zirkus heuer einen guten Platz gefunden, meint Louis Knie junior: direkt an der U2, mit einem Parkhaus in der Nähe. Generell ist es in den großen Städten schwieriger geworden, Standorte zu finden. "Auf dem Land gibt es noch eher Grundstücke, auf denen man ein Zirkuszelt aufstellen kann." Allerdings ist es angesichts steigender Mautgebühren und Treibstoffkosten aus seiner Sicht besser, zentral in einer Großstadt zu gastieren als von Dorf zu Dorf zu tingeln. "Auch Sponsoring und Marketing kann man in großen Städten besser vorbereiten."