Wien. Der Wiener Praterstern bekommt eine neue Polizeiinspektion. Bis 2014 gab es am Verkehrsknotenpunkt bereits eine, diese wurde im Zuge des Bahnhofsumbaus in die Lassallestraße verlegt. Ende 2020 soll nach Plänen von ÖBB, Stadt Wien und Exekutive wieder eine Inspektion eröffnen. Dafür wird ein Zubau am Bahnhofsgebäude errichtet, Baustart ist noch heuer, hieß es am Montag bei einer Pressekonferenz.

Die konkreten Pläne gaben ÖBB-Vorstandsvorsitzender Andreas Matthä, der Generalsekretär des Innenministeriums, Peter Goldgruber, der Wiener Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl und Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) bekannt. "Wir haben täglich 150.000 Menschen am Praterstern", sagte Matthä, die neue Polizeiinspektion solle ihnen einen Mehrwert bieten und das subjektive Sicherheitsempfinden erhöhen. "Für unsere Fahrgäste soll der Aufenthalt am Bahnhof so angenehm wie möglich sein", sagte der ÖBB-Chef. Die Bahn investiert acht Millionen Euro in den 900 Quadratmeter großen Zubau. Integriert wird auch der bestehende Abgang zur U1, der damit Teil der Bahnhofshalle wird.

63 PolizistInnen werden für die Sicherheit sorgen

Die Polizei wird eine Fläche von rund 650 Quadratmeter des Zubaus mieten. "63 Polizistinnen und Polizisten werden für die Sicherheit der Bahnhofsbesucher sorgen", sagte Goldgruber, der seit Montag nunmehr auch amtsführender Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit ist. "Wir wollen, dass der Praterstern wieder zu einem begehrten Ausflugsziel werden kann und Drogengeschäfte, Prügeleien und Messerstechereien hier keinen Platz haben", sagte er.

Seit 1. Februar ist am Praterstern ein Waffenverbot in Kraft. "Das hat dazu geführt, dass die Anzahl der Straftaten deutlich zurückgegangen ist, um rund 45 Prozent", sagte Goldgruber. Außerdem seien "schon über 30 Waffen" sichergestellt worden. Durch die Platzierung der Polizeiinspektion "mitten im Bahnhofsbereich" können die Beamten "rasch und konsequent dafür sorgen, dass das Sicherheitsgefühl weiter gestärkt wird", sagte Goldgruber.

Dafür sollen die Beamten aus der bisherigen Polizeiinspektion Lassallestraße übersiedeln. Die dortige Inspektion soll "für andere Einheiten" genützt werden, sagte Polizeipräsident Pürstl. "Am Praterstern ist schon viel gelungen", sagte er. Die Polizei wolle darauf achten, dass "es ein sozial verträgliches Bild am Praterstern gibt und die vielen Passanten, die tagtäglich durchgehen, das auch unbehelligt tun können und einen Eindruck mitnehmen, der einer Großstadt würdig ist", betonte Pürstl. Laut dem Polizeipräsidenten sind die Delikte seit Inkrafttreten der Waffenverbotszone von 700 auf 400 Ende April zurückgegangen. "Besonders erfreulich" sei, dass Fälle von Körperverletzung von 60 auf 25 gesunken sind, sagte Pürstl.

Bürgermeister Ludwig betonte, dass "Sicherheit kein rechtes oder linkes Thema" sei, sondern vielmehr "alle Menschen betrifft". Er sei stolz darauf, Bürgermeister einer Stadt zu sein, "die zu den sichersten überhaupt zählt". Beim Praterstern hätten bereits mehrere Maßnahmen gegriffen, unter anderem das seit 27. April 2018 geltende Alkoholverbot. Hier soll die Evaluierung der Erfahrungen "in den nächsten drei Wochen" abgeschlossen werden. Ludwig ist wichtig herauszufinden, "ob es einen Verdrängungseffekt gegeben hat". Denn das Problem am Praterstern seien nicht "einzelne Menschen gewesen, die hier ihr Bier getrunken haben", sondern Gewalttaten in Verbindung mit Alkohol "in einem größeren Ausmaß". Von den Ergebnissen sind auch weitere mögliche Alkoholverbote in der Bundeshauptstadt abhängig.

Die bestehende Bahnhofshalle soll nun mit dem Zubau verlängert werden. Fahrgästen können künftig witterungsgeschützt in die Bahnhofshalle gelangen. Die Polizeiinspektion in der Halle wird 24 Stunden besetzt sein.(apa)