Wien. Rund 370.000 Österreicherinnen und Österreicher (fünf Prozent der erwachsenen Bevölkerung) gelten als alkoholkrank, weitere neun Prozent konsumieren Alkohol in einem gesundheitsgefährdenden Ausmaß. Insgesamt trinken 14 Prozent der Bevölkerung in Österreich - mehr als eine Million Menschen - Alkohol in einem problematischen Ausmaß. Ein neuer Online-Coach soll jetzt bei der Konsumreduktion helfen.

Das Problem lieg darin, dass nur wenige Betroffene den Weg zu einer Beratungsstelle finden. Hier setzt die Arbeit des Instituts für Suchtprävention in Wien ein. Ziel ist es, Menschen, die ihren Alkoholkonsum reduzieren wollen, möglichst früh und in einer Art und Weise zu erreichen, die ihnen entgegenkommt. Daher wurde für Österreich im Zuge der österreichischen Dialogwoche Alkohol (www.dialogwoche-alkohol.at), in Kooperation mit dem Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung der Universität Zürich und finanziert vom Hauptverband österreichischer Sozialversicherungsträger, das Onlineprogramm www.alkcoach.at lanciert. Es wird in den kommenden Monaten noch als wissenschaftliches Forschungsprojekt durchgeführt und soll danach in den Regelbetrieb gebracht werden.

Stimmung aufhellen

"Alkcoach.at" soll die Teilnehmer anonym und orts- wie auch zeitunabhängig dabei, ihren Alkoholkonsum zu reduzieren und gleichzeitig ihre Stimmung zu verbessern. Das erscheine besonders wichtig, weil die Alkoholkrankheit die häufigste Begleitkrankheit von Depressionen darstellt, teilte das Institut mit. Viele Menschen mit hohem Alkoholkonsum versuchen, bestehende Depressionen durch das Trinken selbst zu behandeln. Alkohol in kleinen Mengen wirkt stimmungsaufhellend, bei größerem Konsum allerdings schlägt diese Situation um, das kann sogar den Effekt von wissenschaftlich belegten antidepressiven Therapien verringern.

"Alkcoach.at" besteht aus acht Modulen zur Reduktion des Alkoholkonsums und von Depressionssymptomen, dauert sechs Wochen und hat den Vorteil, dass es von den Benutzern anonym und orts- wie auch zeitunabhängig genutzt werden kann. Die Ziele werden selbst gesteckt. Die Inhalte basieren auf den Grundsätzen der motivierenden Gesprächsführung und der kognitiven Verhaltenstherapie. Die Selbsthilfeintervention wird in einer dreiarmigen, multizentrischen, randomisiert kontrollierten Studie (RCT) auf Effektivität getestet.

Dazu gibt es vor allem "virtuelle Freunde", die bei der Konsumreduktion oder dem Trinkstopp helfen sollen. Sie agieren wertfrei und ohne erhobenen Zeigefinger. Zusätzlich besteht jederzeit die Möglichkeit bei Fragen zum Online-Tool, einen eCoach per E-Mail zu kontaktieren. Dieser begleitet durch die sechs Wochen mit zusätzlichen Tipps und Hinweisen. Das Mindestalter für die Teilnahme ist 18 Jahre.

Erfolg in Deutschland

Eine deutsche Studie (Boß et al., 2017) mit einem vergleichbaren Angebot für riskant alkoholkonsumierende Personen hat gezeigt, dass 288 Teilnehmer eines solchen Programms nach einem Zeitraum von sechs Wochen von 30 wöchentlich konsumierten Standardgläsern signifikant auf 22 Standardgläser reduzierten. Die Verbesserungen hinsichtlich Reduktion des Alkoholkonsums als auch der psychischen Gesundheit (Symptom der Angst, Depression und des Stresses) setzten sich auch nach sechs Monaten signifikant fort.

Vergleichbares gibt es seit Februar dieses Jahres auch für "Kiffer". Eine Konsumreduktion bzw. das Aufhören leichter machen soll ihnen das Web-basierte Programm www.canreduce.at.