Wien. Da müssen Profis, fremde Mächte, ja vermutlich sogar Geheimdienste dahinterstecken: Es waren Spekulationen, die zu Beginn der Ibiza-Affäre vielfach auftauchten. Nun bildet sich heraus, dass diese Einschätzung wohl falsch war. Zwar sind noch viele Fragen offen, ein Wiener Anwalt und ein fragwürdiger "Detektiv" dürften aber eine entscheidende Rolle gespielt haben.

Sie könnten Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus in die Falle gelockt haben, um das Video für viel Geld zu verkaufen (siehe Seite 11). Wie schätzt ein Berufsdetektiv diese Affäre ein? Darüber sprach die "Wiener Zeitung" mit Fachmann Markus Schwaiger, Geschäftsführer des Detektivunternehmens MSI.

"Wiener Zeitung": Herr Schwaiger, wie professionell wurde die Ibiza-Operation durchgeführt?

Markus Schwaiger ist Berufsde tektiv und Geschäftsführer des Wiener Detektivunternehmens MSI. - © privat
Markus Schwaiger ist Berufsde tektiv und Geschäftsführer des Wiener Detektivunternehmens MSI. - © privat

Markus Schwaiger: Die Vorbereitungsphase war professionell und gut gemacht. Wer auch immer dahintersteckt, hat sich dafür sehr viel Zeit genommen.

Und was ist mit den tatsächlichen Aufnahmen?

Technisch gesehen war das bestenfalls laienhaft. Die Bild- und Tonqualität sind grottenschlecht. Da wurden Geräte eingesetzt, die man um 50 Euro online kaufen kann: Spycamware, verdeckte Videokameras in Uhren. Ich würde mich genieren, so etwas einzusetzen.

Warum?

Das Risiko, dass die Zielperson die Geräte entdeckt, wäre mir zu groß. In dem Video sieht man ja, dass Strache ein paar Mal direkt in die Kamera schaut und sich fragt, was das ist. Die haben ein riesiges Glück gehabt, dass sie die Operation durchziehen konnten.

Wurden die Kameras sorgfältig platziert?

Nein, überhaupt nicht! Die Hauptkamera befand sich einen Meter von Strache entfernt und stand komplett unmotiviert auf einem Beistelltisch. Dort stelle ich so etwas nicht hin.

Das war stümperhaft?

Ja. Deswegen verstehe ich auch nicht, dass das niemandem aufgefallen ist. Da steht mitten im Wohnzimmer ein Radiowecker, oder was das auch immer sein soll, mit einer Kamera drinnen. Das ist sehr, sehr laienhaft.

Hinter der Aktion soll auch ein zweifelhafter "Detektiv" stecken, der wegen eines Suchmitteldelikts bereits verurteilt wurde und nun in einen vermeintlichen Industriespionagefall verwickelt ist.

Es ärgert die ganze Berufsgruppe, dass sich so jemand als Detektiv bezeichnet und auch von den Medien so bezeichnet wird. So jemand kann rechtlich gar kein Detektiv sein: Als Berufsdetektiv muss ich eine Verlässlichkeitsprüfung machen und darf keine Vorstrafen haben.

Wie üblich sind denn solche heimlichen Aufzeichnungen in der professionellen Detektivbranche?

Wir machen so etwas gelegentlich, wissen aber genau, wann, wo und wie wir das machen dürfen. Jeder Berufsdetektiv muss den § 120 StGB (Straftatbestand "Mißbrauch von Tonaufnahme- oder Abhörgeräten", Anm.) auswendig kennen. Eine Agent-Provocateur-Geschichte wie im Ibiza-Fall ist in Österreich ein absolutes Tabu.

Können Sie einen zulässigen Fall schildern?

Eine Frau wird von ihrem Arbeitgeber gekündigt und erpresst, dass sie ihre Abfertigung nehmen und sonst auf alle Ansprüche verzichten soll. Da bin ich zu einer Besprechung mitgegangen und habe das Gespräch aufgezeichnet. Ich habe nichts angestiftet, sondern passiv die Erpressung dokumentiert. Diese Aufzeichnungen habe ich dann nur für mich, die gebe ich niemanden weiter.

Was machen Sie dann?

Ich schreibe ein Transkript nieder. Das gebe ich dem Kunden, der damit vor Gericht geht. Der Richter kann entscheiden, ob er glaubt, was dort niedergeschrieben ist. Die Gegenseite wird aber üblicherweise einwenden, dass das gefälscht ist. Ich bringe dann vor, dass ich eine Speicherkarte habe, wo diese Gespräche aufgezeichnet sind. Wenn alle Parteien dem zustimmen, kann diese Aufnahme dann abgespielt werden. In diesem Fall habe ich mich nicht strafbar gemacht.