Wien. Als Konsequenz aus der mit Handyvideo dokumentierten "Spuckaffäre" an der HTL Ottakring wird der Wiener Bildungsdirektor Heinrich Himmer schon ab dem kommenden Schuljahr 2019/20 aktiv. Für neueintretende Lehrer soll es in den auf ein Jahr befristeten Dienstverträgen eine dreimonatige Probezeit und eine leichtere Kündigungsmöglichkeit für nicht geeignete Lehrer geben. Der Vorsitzende der Pflichtschullehrergewerkschaft, Paul Kimberger, wird das, wie er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" ankündigte, keinesfalls mittragen: "Das werden wir auf dem Rechtsweg austragen." Für vier von sechs beteiligten Schülern hat die Bildungsdirektion die von der Schule beantragten Ausschlüsse aus der HTL Ottakring bestätigt.

Himmer hat nach Bekanntwerden der Handgreiflichkeiten an der HTL Ottakring eine Expertenkommission eingerichtet. Ein Lehrer war im Unterricht gemobbt worden, hat dann laut Video den Schüler angespuckt und wurde umringt von mehreren Schülern gegen die Tafel gestoßen. Der Lehrer ist weiter im Krankenstand, schon länger stand fest, dass sein auf ein Jahr befristeter Vertrag an der HTL nicht verlängert wird.

Über Empfehlung der Expertenkommission sprach sich Himmer bei der Präsentation der Ergebnisse am Dienstag für eine Probezeit von drei Monaten aus. In dieser Phase soll es die Gelegenheit geben, offenkundig nicht geeignete Lehrer mit einem befristeten Dienstvertrag ohne Angabe von Gründen zu kündigen. Diese erleichterte Möglichkeit soll neu in den auf ein Jahr befristeten Dienstverträgen verankert werden. Himmer beruft sich auf die Ansicht von Juristen seines Hauses, dass dies ohne bundesgesetzliche Änderung möglich sei. Denn es handle sich jeweils um Einzelverträge.

Gewerkschaftschef: "Das ist gelinde gesagt eine Frechheit"

Für Paul Kimberger, den Chef der Gewerkschaft der Pflichtschullehrer und Vertreter der Arge Lehrer, kommt das einer Art Kriegserklärung gleich. "Das ist gelinde gesagt eine Frechheit", sagte er auf Anfrage der "Wiener Zeitung". Er halte Himmers Pläne für das neue Schuljahr für "extrem skurril". Denn was dieser fordere, werde es ab September ohnehin in Form der sogenannten Induktionsphase für neue Lehrer geben. Diese würden in dieser Probephase sowohl unterstützt als auch beurteilt.

Kimberger legte ein Schäuferl nach: "Aus meiner Sicht gibt es in dem Fall ein gravierendes Aufsichtsversagen der Schulleitung und der Bildungsdirektion." Wenn der Bildungsdirektor damit vom eigenen Versagen ablenken wolle, sei das "eine Frechheit".