Wien. Wenn heute Abend die illustren Gäste des Life Balls im Wiener Rathaus (ab 20.15 Uhr live in ORF 1) auf dem roten Teppich von Alfons Haider für den ORF interviewt werden, feiert der Schauspieler und Entertainer zum Abschluss ein Jubiläum: Der 61-Jährige hat nämlich heuer nicht nur seinen 25. Opernball absolviert, sondern besucht jetzt auch seinen 25. Life Ball. Nur einmal war Haider seit 1993 nicht dabei - wegen einer Lungenentzündung, wie er im Interview der "Wiener Zeitung" verrät. Außerdem spricht er über den Wandel der Ballbesucher, die öffentliche Wahrnehmung von HIV/Aids und die Frage, ob es wirklich der letzte Life Ball sein wird.

"Wiener Zeitung": Was bedeutet der Life Ball für Sie?

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Alfons Haider: Der Life Ball war natürlich immer schon ein Aufschrei gegen HIV/Aids, aber es am Anfang auch ein gewaltiger Schrei nach Freiheit. Vor 26 Jahren war es etwas anderes, offen schwul zu sein oder mit Schwulen zu sympathisieren. Das war alles anders als heute. Vor 26 Jahren auf einem Schwulenfest aufzutreten war sicherlich nicht so unkritisch, wie es heute ist. Mich hat damals einer meiner ORF-Vorgesetzten gewarnt, ich solle mir das genau überlegen, weil nicht so klar sei, ob das für das öffentliche Bild so gut sei. Er wollte mir gar nichts Böses, sondern hat es gut gemeint - das hat diese Aussage so tragisch gemacht. Aber mir war das wurscht, weil ich damals - das kann man sich heute gar nicht vorstellen - wie viele andere, die überlebt haben, wirklich viele Freunde und Kollegen innerhalb kürzester Zeit an HIV/Aids verloren habe. Damals war auch weit und breit keine Medizin in Sicht, das war in den ersten drei, vier, fünf Jahren des Life Balls wirklich noch ein Todesurteil. Dass es dann auch Torgom Petrosian (Gery Keszlers Partner, Anm.) erwischt hat, also einen der Mitbegründer, war das auch so ein Schlag. Da hat man gesehen, wie wichtig das ist.

Heute hingegen gibt es wirksame Therapien gegen Aids.

Die Situation heute ist kritisch, weil die moderne Medizin uns glauben lässt, dass die Geschichte mit ein paar Tabletten erledigt ist, wie etwa beim Insulin. Das mag wohl stimmen, und es ist auch Gott sei Dank so, dass Menschen, deren Virusstatus unter einem gewissen Wert liegt, nicht mehr ansteckend sind, das ist seit eineinhalb Jahren sicher. Das ist natürlich ein Lebenserweiterungsschritt für alle Menschen, die HIV haben - aber dafür wirkt es für die breite Öffentlichkeit nicht mehr so gefährlich. Das stimmt aber deshalb nicht, weil das neue geheime Aids die Ausgrenzung der Leute mit HIV darstellt. Das ist nicht lustig. Mit HIV zu leben, so wie viele Freunde von mir, ist immer noch sehr gefährlich.