Was unterscheidet den Life Ball 2019 vom ersten Life Ball 1993?

Es war die Stimmung eine ganz andere als heute. Erstens war es die ersten Jahre ein Ereignis, bei dem man nicht gewusst hat, ob es überleben wird. Da muss man aber auch sagen, dass die Stadt Wien da gigantisch war. Bürgermeister Helmut Zilk hatte die menschliche Größe zu sagen: "Das geht so nicht, da müssen wir was machen, das müssen wir unterstützen." Das war keine politische Überlegung von ihm, ganz im Gegenteil. Damals hätte kaum jemand die Roten wegen des Life Balls gewählt. Das war vor allem ein menschliches Zeichen.

Was hat Gery Keszler damit gesellschaftlich erreicht?

Er war über zweieinhalb Jahrzehnte der Herzschlag und der Motor dieses Vehikels. Und der Life Ball hat meiner Meinung nach schon massiv dazu beigetragen, dass die Sicht der Öffentlichkeit auf das Thema HIV/Aids sich langsam gewandelt hat. Dadurch wurde es auch bei uns populär im Sinne von: Man redet darüber. Viele Künstler und Weltstars haben sich zum Helfen angestellt. Und das hat schon auch eine Breitenwirkung in der Öffentlichkeit gehabt. Es ist zweifellos das Kind des Gery Keszler, das inzwischen mehr als ein Teenager ist und auch schon eigene Wege geht.

Wie oft waren Sie mit dabei?

Ich habe einen einzigen versäumt - da hatte ich eine Lungenentzündung. Ansonsten war ich in allen Funktionen dabei: als Sänger, als Tänzer, als Nackerter, als TV-Moderator, als Moderator auf der Bühne, als Losverkäufer. Das war eine absolute Selbstverständlichkeit so wie für viele in unseren Kreisen. Das ist ein Teil unseres Lebens geworden.

Hat sich der Wandel in der Wahrnehmung auch im Publikum widergespiegelt?

Ja natürlich. Nach einer Zeit sind die Leute Schwule schauen gekommen. Danach war es eine Zeit lang wahnsinnig hip, schwule Freunde zu haben. Dann haben sich langsam auch bekannte Leute wie Günter Tolar geoutet.

. . . von dem Sie beim zweiten Life Ball die Moderation übernommen haben. Eine schwierige Aufgabe?

Der Life Ball ist die liebenswürdigste Terminkatastrophe, die man sich vorstellen kann. Es wird nie irgendein Termin eingehalten. Das ist ganz klar, weil da stehen sechs-, siebentausend Leute, und du kommst einfach nicht weiter. Der Life Ball ist schon die Meisterprüfung für jeden jungen Moderator.

Hat es Sie überrascht, als der Life Ball 2016 ausgefallen ist?

Es hat mich nicht gewundert. Wenn man zweieinhalb Jahrzehnte jedes Jahr besser wird, das Event größer wird, das Ergebnis besser wird, ist irgendwann einmal die Decke erreicht. Denken Sie nur an den riesigen Swimmingpool beim Thema "Wasser" oder den Sandhaufen beim Thema "Erde". Und es gibt ja kaum noch internationale namhafte Vertreter, die in dieser Sache tätig sind, die noch nicht zum Life Ball gekommen sind.