Schwingt da auch ein Hauch von "Aufhören, wenn es am schönsten ist" mit?

Ja, das ist wieder so typisch österreichisch. Für Gery ist das Ende des Life Balls eine Kindesweglegung. Ich glaube, das ist für niemanden so schlimm wie für ihn. Durch seine Härte sich selbst, aber auch anderen gegenüber im Einsatz für den Life Ball hat er sich nicht nur Freunde gemacht. Wir wissen ja, dass Erfolg auch viele Neider auf den Plan ruft. Das war dem Gery aber immer wurscht, er ist der undiplomatischste Typ, den ich kenne - aber nur deshalb hat er das Ganze durchgesetzt und durchgestanden. Das kostet natürlich so viel Energie, dass ich mich schon beim 20. Life Ball gefragt habe, wo er seine Kraft hernimmt. Ich glaube, mit dem Life Ball hat er ein Zeichen der Offenheit dieser Stadt, auch der Toleranz geschaffen. Wiewohl ich wieder sagen muss: Was sich jetzt rechts abspielt um uns herum, in Polen, Ungarn, Serbien, weiter nach Osten will ich gar nicht schauen, wo du heute als Schwuler oder Transgender gar nicht auf die Straße gehen kannst, da dreht es sich ja schon wieder um.

Aber Wien hat jetzt vor dem Rathausplatz einen Regenbogen-Zebrastreifen.

Ja. Und wie lange werden wir den haben? Und dass man zehn Jahre braucht, um die Gleichstellung per Gesetz durchzusetzen, ist ja auch ein Wahnsinn. Ich glaube, dass die Hardliner wieder härter zuschlagen werden. Dass die Leute, denen es wirklich gegen den Strich geht, jetzt wieder Aufwind spüren. Aber das ist eine Allgemeinheit in Europa, dass man Frauen unterdrückt, Ausländer diskriminiert und Schwule und Lesben sollen froh sein, dass sie eine Regenbogenparade haben. Da ist natürlich der Life Ball schon ein Zeichen, das international wahrgenommen wird, das kann man nicht wegleugnen. Er hat einen ganz wichtigen Anstoß gegeben. Ich war immer überzeugt, dass gut zwei Drittel der Bevölkerung viel schneller in Sachen Gleichstellung unterwegs sind als unsere staatstragenden Politiker. Und da hat der Life Ball sicher eine große Rolle gespielt, dass dann auch die großen Tageszeitungen auf dieses Thema eingeschwenkt sind und es forciert haben. Im Life Ball steckt auch etwas Shakespeare’sches: Sterben und Leben, Lachen und Weinen gemeinsam. Das war es immer, und irgendwie habe ich mir so wie der Gery immer gedacht: Dieses Schiff kann nicht sinken. Aber selbst die "Titanic" ist gesunken.

Bürgermeister Michael Ludwig hat angedeutet, dass es doch nicht der letzte Life Ball sein könnte . . .

Ich hoffe es aus ganzem Herzen. Ich glaube, Michael Ludwig, so wie ich ihn einschätze, wird als Mensch nicht das Ende des Life Balls verantworten wollen. Und er sieht als Bürgermeister einer der schönsten Städte der Welt, dass es ein Aushängeschild ist: Musikverein/Opernball/Life Ball - das ist eine Triangel, die einfach perfekt inszeniert ist, deshalb bin ich felsenfest überzeugt, dass die Stadt Wien hier eingreifen wird.