Wien. "Wir mähen seit 1. März und die Anrainer sagen: So schön wie heuer war die Alte Donau noch nie", erzählt Claudia Eitzenberger der "Wiener Zeitung". 1000 Tonnen Mähgut wurden heuer bereits aus dem Wasser geholt. Wobei zu Spitzenzeiten bis zu 25 Boote gleichzeitig unterwegs sind.

Eitzenberger ist seit einem Jahr Mähbootfahrerin bei der MA 45 (Wiener Gewässer). Wobei man mittlerweile zwischen Mäh-, Sammel- und Begleitbooten unterscheiden muss. "Früher hat man ein Boot für das Schneiden, Einsammeln und Abtransportieren verwendet - so wie das eigentlich überall anders auch üblich ist. Wir haben das aber vor einem Jahr aufgeteilt", erklärt MA-45-Chef Gerald Loew. So sind jetzt kleinere Amphibienboote unterwegs, die entweder mit Mähscheren oder Auffanggabeln ausgestattet sind.

Sonar- und Drohneneinsatz

"Die Mähboote sind sozusagen die Mutterhennen, denen wir mit den Auffangbooten hinterherfahren, um die abgeschnittenen Makrophyten einzusammeln, damit sie nicht ans Ufer gespült werden", sagt Eitzenberger. Der gesammelte Pflanzenschnitt wird dann auf die Ladeboote verfrachtet, die dann wiederum das Mähgut auf die großen Auflageflächen der Begleitboote kippen. Das Schnittgut selbst wird in der Lobau zu Bio-Kompost verarbeitet. Die Aufteilung der Funktionen war laut Loew deshalb notwendig, weil das "All in One-"Mähboot allein für den Abtransport schon eine Stunde benötigte. "Jetzt geht das alles viel effizienter", so Loew.

Einmal pro Woche wird durch Sonar-Messungen die Höhe der Wasserpflanzen gemessen und danach richten sich dann die Mähpläne der MA 45. Die Boote selbst sind mit GPS, Computern und dazugehöriger Spezialsoftware ausgestattet, um die ausgewiesenen Mähbereiche exakt abarbeiten zu können. Gemäht wird laut Eitzenberger bis in eine Tiefe von bis zu 2,7 Meter.

Laichplatz und Rückzugsgebiet

Bleiben ungemähte Streifen zurück - bei der MA 45 nennt man sie "Irokesen" -, werden diese durch Drohneneinsatz aufgespürt und entsprechend nachgeschnitten. Die Ufer- und Stegbereiche werden im Übrigen per Hand von Tauchern gemäht. Und da die Makrophyten eigentlich sehr nützlich sind, wurden auch Schutzzonen eingerichtet. Denn ohne sie würde das Wasser in der Alten Donau schnell kippen, außerdem dienen sie Fischen als Laichplatz und Rückzugsgebiet, heißt es.

Die Wasserpflanzen sind in den vergangenen Jahren explosionsartig gewachsen: Laut MA 45 betrug die Entnahmemenge in der gesamten Saison 2013 rund 72 Tonnen. 2016 war sie bereits auf 2100 Tonnen angestiegen und im Vorjahr waren es bereits 3350 Tonnen. Längerfristig sollen deshalb niederwüchsige Characeen-Arten den Platz der hochwüchsigen Arten einnehmen. Seit 2017 gibt es laut MA 45 eine Versuchsfläche an der Unteren Alten Donau bei der Strombucht. Der Bereich wurde abgetrennt, damit sich die Pflanzen ungestört und frei von hungrigen Fischen entwickeln können.

Abseits der Umweltinteressen

Und das wird auch nötig sein, stehen doch auch andere Interessen als jene der Umwelt im Fokus der Stadt: "Die Alte Donau ist mit ihren vielen Wassersportmöglichkeiten sicherlich eines der beliebtesten Naherholungsgebiete in Wien, daher sind die gesetzten Maßnahmen natürlich sehr erfreulich", betonten die Bezirksvorsteher von Floridsdorf und Donaustadt - Georg Papai und Ernst Nevrivy (beide SPÖ).

Die zuständige Umweltstadträtin Ulli Sima (SPÖ) brachte es dann schließlich auf den Punkt: "Für die gute Wasserqualität der Alten Donau sind die Wasserpflanzen unerlässlich, für Schwimmer und Bootsfahrer sind sie mitunter lästig und so suchen wir jedes Jahr einen optimalen Weg, um beide Ansprüche zu vereinen."