Kirchbach. Vor den Toren Wiens in Kirchbach, direkt mit dem Auto oder mittels dreiviertelstündiger Wanderung vom Parkplatz in St. Andrä-Wödern aus durch die Hagenbachklamm erreichbar, leitet Erwin Größinger eine Greifvogelzuchtstation mit mehr als 30 Arten vom Luggerfalken (70 Zentimeter Spannweite) bis zum Andenkondor (3,50 Meter). "Derzeit haben wir auch Babyvögel, aber die wachsen sehr schnell und werden bald fliegen", erzählt der gelernte Tischler, während er mit einem jungen Weißkopfseeadler (der Kopf wird sich erst im fünften Lebensjahr färben) schnäbelt.

So ungefährlich sind natürlich die wenigsten Greifvögel in Kirchbach, weshalb Besucher Distanz halten müssen. Aber Größinger ist stolz darauf, dass in den 42 Jahren, die es die Station nun gibt, kein einziger Besucher verletzt wurde. Er selbst lebt seit 36 Jahren in der Station seinen Kindheitstraum aus, gemeinsam mit einer Handvoll ehrenamtlichen Mitarbeitern. Finanziert wird die Station durch die Eintrittsgelder, Förderungen gibt es keine.

Größinger will mit der Bevölkerung seine Faszination für die Greifvögel teilen und aufklären, aber natürlich versorgt er auch Zoos und Falkner mit Tieren. Hin und wieder werden auch Vögel ausgewildert. Die Populationen in freier Wildbahn sind übrigens heute wieder stabil: "Der Steinadler zum Beispiel hat sehr stark zugenommen. In den 1930ern gab es in Tirol drei Brutpaare - heute sind es österreichweit 250 bis 300, je nach Zählung." Der Seeadler ist ebenfalls wieder zurück in Österreich. Und auch um die anderen Beutegreife braucht man sich keine Sorgen zu machen.

- © WZ/Ziegler
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Die Vögel in der Station werden doppelt bis dreimal so alt wie in freier Wildbahn, "unser ältester Geier ist gut 50 Jahre alt". Dass sie meist einzeln in Volieren gehalten werden, hat gute Gründe: "Die haben kein Sozialsystem, da frisst der Größere den Kleineren, selbst Eltern töten bei Futterknappheit oder unter Stress ihre eigenen Jungen. Und auch junge Adler bringen einander oft um." Deshalb müssen die Jungvögel in den ersten Wochen getrennt und mit der Hand aufgezogen werden, um sie voreinander zu schützen. "Danach sind sie aber oft ein Herz und eine Seele - solange sie genug Futter bekommen."

Nicht mehr fliegen als nötig

Auch der junge Gänsegeier wird bald fliegen. - © WZ/Ziegler
Auch der junge Gänsegeier wird bald fliegen. - © WZ/Ziegler

Dieses besteht vor allem aus männlichen Hühnerküken, die ja in der Regel ohnehin gleich nach dem Schlüpfen getötet werden. Aber auch Labors, Landwirte und Privathaushalte bringen immer wieder verendete Tiere vorbei, vom Meerschweinchen bis zur Ziege. "Die kommen natürlich nie lebend zu unseren Vögeln", betont Größinger. Bei ihm wird jedenfalls jedes Fleisch recycelt - "und zwar restlos", dank der Aasfresser. Allerdings schmeckt auch den Geiern "frisch besser als stinkend", stellt Görßinger fest. Die Seeadler wiederum fressen interessanterweise nicht öfter als einmal in der Woche Fisch und sonst lieber Kaninchen oder Küken.

Wem die Voliere zu klein vorkommen, den beruhigt er: "Nur weil die Greifvögel Flügel haben, heißt das nicht, dass sie die auch einsetzen wollen." Im Gegensatz zu anderen Vögeln bewegen sich die Beutegreifer nur, wenn es wirklich notwendig ist, weil sie mit ihren Kräften haushalten. "Das Gehege könnte noch so groß sein, wenn sie keinen Bedarf sehen, sitzen sie den ganzen Tag herum, solange sie satt sind." Einem der Adler muss er das Futter in sechs Meter Höhe hinaufwerfen. "Wenn ich es auf den Boden lege, ist es ihm meist nicht wert, sich herunter zu bemühen."