In einem Terrorprozess ist am Donnerstag ein 29-jähriger Kasache am Wiener Straflandesgericht  zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Der Mann soll bei Kampfhandlungen in Syrien für die tschetschenische Islamistengruppe "Emirat Kaukasus" gekämpft haben und dabei auch mit einer Kalaschnikow auf syrische Soldaten geschossen haben. Das wurde als mehrfach versuchter Mord gewertet.

Das Urteil wegen der Verbrechen der terroristischen Straftaten, der terroristischen Vereinigung und der kriminellen Organisation ist nicht rechtskräftig. Beide Seiten erbaten Bedenkzeit. Neben der Unbescholtenheit des Mannes und dass es bei den Tötungsdelikten beim Versuch geblieben ist, wurde das volle und reumütige Geständnis massiv mildernd gewertet. Ohne diesen Aussagen "hätte man den Mordversuch nicht nachweisen können", sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung. Deshalb sei man mit den zwölf Jahren Haft deutlich im unteren Bereich des Strafrahmens wegen Mordes von zehn bis 20 Jahren oder lebenslange Haft geblieben.

Der Mann soll von August 2013 bis November 2015 mehrfach nach Syrien gereist sein und aktiv gegen die Truppen des Regimes des syrischen Machthabers Bashar al-Assad gekämpft haben. Dabei schloss er sich der tschetschenischen Islamistengruppe "Emirat Kaukasus" an, die dem "Islamischen Staat" (IS) die Treue schwor. Der 29-Jährige gab zu, "Emirat Kaukasus" unterstützt zu haben, doch er lehne die Ideologie des IS ab.

"Ich wollte nur helfen"

Im Prozess relativierte er die zuvor bei der Polizei getätigten Aussagen. Er sei nach Syrien gereist, um die Zivilbevölkerung zu unterstützen. "Ich wollte nur helfen", sagte er. Er habe dabei nie gezielt auf Menschen geschossen. Er wollte mit den Schüssen ein Heranrücken der feindlichen Truppen verhindern.

Der Angeklagte entwickelte Anfang 2013 Interesse am Krieg in Syrien. Er entschloss sich im August 2013, nach Atmeh zu reisen, um gegen die Truppen des Assad-Regimes zu kämpfen. Von seiner Heimat Kasachstan flog er über Moskau nach Istanbul. Mithilfe von Schleppern wurde er nach Syrien gebracht. Der Plan war, sich dort der aus dem syrischen Flügel der tschetschenischen Islamistengruppe "Emirat Kaukasus" gebildete Miliz Jamwa (Jaish al-Muhajuireen wal-Ansar) anzuschließen.

In Atmeh wurde er zunächst drei Wochen lang in einem Camp für angehende Kämpfer ausgebildet. Neben einem täglichen Kampftraining wurde dem 29-Jährigen auch die Handhabung mit Waffen - dem Sturmgewehr AK47 sowie einer Panzerfaust - beigebracht. Bestückt mit einer Pistole der Marke "Tokarev" und der Kalaschnikow wurden er und seine Kameraden ab Herbst 2013 mit der Verteidigung der Stadt Haritan sowie dem nahegelegenen Aleppo betraut, wobei er bei Stellungskämpfen laut Anklage durchaus seine Waffen gegen heranrückende syrische Soldaten einsetzte.