Wien. (dab) Wien ist eine bedeutende Drehscheibe für das Doping-Netzwerk gewesen, das im Zuge der von Europol geleiteten "Operation Viribus" aufgedeckt wurde. Unter Einbindung des Bundeskriminalamtes (BK) konnte bei den länderübergreifenden Ermittlungen nachgewiesen werden, dass 22 Tonnen an Doping-Präparaten und illegalen Arzneimitteln nach Wien geschickt und von dort großteils quer durch Europa verteilt wurden.

Im Zuge der Ermittlungen wurden zunächst im Juli 2018 am Flughafen Schwechat mehrere Pakete mit verbotenen Doping-Substanzen abgefangen, hieß es am Dienstag seitens des Bundeskriminalamts. Statt der ausgewiesenen Lichtschalter enthielten die Pakete 423 Kilogramm Tabletten und Ampullen. Der Schwarzmarktwert: rund 480.000 Euro. Es kam zu weiteren Erhebungen, die im Auftrag der Staatsanwaltschaft Korneuburg vom Referat Wettbetrug, Doping und Arzneikriminalität des BK durchgeführt wurden. Die Behörden arbeiteten dabei eng mit Europol zusammen.

Von Indien nach Österreich

"Es wurde festgestellt, dass es sich nicht um das erste Paket gehandelt hat", erklärt Vincenz Kriegs-Au, Sprecher des Bundeskriminalamts, der "Wiener Zeitung". Denn die Ermittler fanden heraus, dass das Doping-Netzwerk bereits vor dem Fund im Juli 2018 aktiv gewesen war: Insgesamt konnten der Gruppe 22 weitere Lieferungen nachgewiesen werden, die im Zeitraum Juli 2017 bis Juli 2018 getätigt worden waren. Der Gesamtwert der verschickten 21 Tonnen machte laut BK 23 Millionen Euro aus.

Zudem bekamen die Ermittler einen Einblick in die Vorgehensweise des Netzwerkes: Die illegalen Präparate wurden in Indien produziert und falsch deklariert von Singapur nach Österreich geliefert. Ein Wiener Paketservice-Dienstleister stellte die Ware zu, wobei die Empfänger in zumindest neun verschiedenen EU-Staaten residierten. Das österreichische Versandunternehmen war laut BK nicht in die Machenschaften der Gruppe eingeweiht.

Ermittlungen gehen weiter

Einen weiteren Fund machte das BK bei einer anderen Ermittlung im Herbst 2018: Rund 600 Kilogramm Dopingpräparate wurden in Wien aus dem Verkehr gezogen. Die Mittel waren ebenfalls für den Versand in mehrere EU Staaten bestimmt. Ein britischer Staatsbürger konnte als Drahtzieher der Lieferungen ausgeforscht und in Slowenien festgenommen werden. Ob dieser Fund mit der anderen Ermittlung zusammenhängt oder es sich um ein eigenständiges Netzwerk handelt, sei noch unklar, erklärt Kriegs-Au.

Im Rahmen der "Operation Viribus" wurden 234 Personen festgenommen und 3,8 Millionen Doping-Präparate sowie gefälschte Arzneimittel aus dem Verkehr gezogen. Laut Europol handelt es sich um den bisher größten internationalen Schlag gegen die Doping-Szene. Die Operation umfasste 23 EU-Staaten sowie zehn andere Länder. Der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) zufolge konnte man 17 organisierten kriminellen Gruppen das Handwerk legen. "Die Ermittlungen zu den Auftraggebern und Großabnehmern sind noch nicht abgeschlossen. Die Polizei geht von weiteren Festnahmen aus", so Kriegs-Au.