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Wien. Der Haufen Polizisten am Stubentor zieht schon von Weitem neugierige Blicke der Passanten auf sich. Trotzdem gehen dem Fahrraddienst des Stadtpolizeikommandos am Dienstag bei einer Schwerpunktaktion immer wieder Verkehrssünder ins Netz. Im Fokus: Radfahrer, E-Scooter- und Segwayfahrer.

"Fahrzeugkontrolle. Ausweis bitte", sagt der Uniformierte zu einem Mann, der gerade völlig unbeeindruckt mit seinem E-Scooter auf dem Gehsteig am Beamten vorbeisausen will. Ein Vergehen, das üblicherweise mit 30 Euro geahndet wird. Doch der Polizist ist heute kulant: "Auf den Fahrradweg", lautet schließlich die Anweisung. Zahlen muss der Fahrer nicht. Einsichtigen Verkehrssündern bleibt in den ersten Wochen des noch jungen E-Scooter-Gesetzes eine Strafe noch erspart. Das Ziel der Planquadrate mit Fokus auf E-Roller ist es primär, ein Bewusstsein für die neuen Regeln zu schaffen.

Regeln können in allen Sprachen abgefragt werden

Erneut macht der Polizist einen Fang, diesmal gleich im Doppelpack. Zwei Touristen brausen auf einem E-Scooter dahin - das ist verboten. "Besonders bei Touris ist es beliebt, zu zweit auf dem Gefährt zu stehen", erklärt Michael Takacs, Leiter der Verkehrsabteilung Wien.

Die meisten Scootersünder, die den Beamten ins Netz gehen, sind Ausländer. Einige von ihnen wecken den Anschein, den Anweisungen der Polizisten gar nicht folgen zu können. Die Ausrede, man würde die neuen Regelungen nicht kennen, zählt bei der Polizei natürlich nicht. Nicht nur, dass Unwissenheit nicht vor Strafe schützt, Polizei und Stadt stehen zudem in engem Kontakt mit den Vermietfirmen der praktischen Zweiradler. Die Firmen hätten auf allen E-Scootern QR-Codes, die die Rahmenbedingungen über die Nutzung und den Umgang mit dem Fahrzeug automatisch in der gewünschten Sprache aufs Handy spielen.

"Ist es jetzt grün?" -

"Wieso fragen Sie das mich?"

Dennoch: Beim Anblick der Polizisten, ist fast allen Verkehrsteilnehmern die Unsicherheit ins Gesicht geschrieben. Bei aller Kulanz ist mit den Polizisten auch nicht zu spaßen. "Ist es jetzt grün?", fragt ein eingeschüchterter Radfahrer. Darauf der bullige Polizist mit rauem Unterton: "Wieso fragen Sie das mich?"

Da kommt schon der nächste Kandidat: Keine fünf Meter vom Beamten entfernt, fährt ein Mann mit dem Fahrrad bei Rot über die Straße. Nach seinem Namen gefragt, gibt er lediglich "Abdullah" an. Wiederholte Versuche, eine genauere Identifizierung oder gar einen Ausweis zu bekommen, scheitern. Es beginnt sich eine Traube an Schaulustigen zu formieren, die das Geschehen mit Spannung verfolgt. Letztlich wird Abdullah von den Polizisten mit auf die Wache genommen.