Prinz Eugen von Savoyen stieg zu Österreichs erfolgreichstem Heerführer auf. - © Jacob van Schuppen
Prinz Eugen von Savoyen stieg zu Österreichs erfolgreichstem Heerführer auf. - © Jacob van Schuppen

Wien. Er war der Stürmerstar des österreichischen "Wunderteams" der 1930er Jahre, man nannte ihn wegen seiner schmächtigen Gestalt den "Papierenen": Matthias Sindelar. Friedrich Torberg bezeichnet ihn in einem berühmten Gedicht als "Kind aus Favoriten", doch geboren wurde er 1903 in Kozlov bei Iglau im heutigen Tschechien. Seine Familie, die 1906 nach Wien auswanderte, würde heute unter den Begriff "Wirtschaftsflüchtlinge" fallen.

Dass Fremde mit offenen Armen aufgenommen werden, ist weltweit nicht die Regel, sondern die Ausnahme, vor allem dann, wenn sie in größeren Gruppen in ein Land einreisen. Fremdenfeindlichkeit nahm zuletzt insbesondere gegenüber Asylwerbern zu, aber auch Touristen sind nicht mehr gerne gesehen, wenn sie in Massen für kurze Zeit sehenswerte Orte und Städte - etwa Salzburg oder Venedig - besuchen.

Großstädte wie Wien waren immer attraktiv für Zuwanderer. Ein Blättern im Telefonbuch lässt leicht erkennen, dass hier Namen aus aller Herren Länder vertreten sind, dass folglich ein Großteil der Wiener Bevölkerung ausländische Wurzeln hat. Einer prominenten Auswahl davon widmet Dietmar Grieser sein neues Buch "Wien - Wahlheimat der Genies".

Aus Frankreich
nach Wien

Wie lächerlich Xenophobie ist, zeigte vor Jahrzehnten der Kabarettist Felix Dvorak in einem bitterbösen Lied "über die Seele des Wienerischen" mit dem Refrain "Was brauch ma de Fremden? Was bleibn s’ net daham?" auf. Er nannte darin Zuwanderer wie Werfel, Metternich, Ghega, Schikaneder, Semmelweis, Freud, Renner, Brahms, Prinz Eugen und Beethoven.

Mit Prinz Eugen von Savoyen, der 1683, kein Wort Deutsch sprechend, mit dem Entsatzheer nach Wien kam und Österreichs erfolgreichster Heerführer wurde, beginnt Grieser sein informatives Buch. Aus Frankreich übersiedelte auch Jean Baptiste Cléry, der Kammerdiener von König Ludwig XVI., nach der Hinrichtung seines Monarchen nach Österreich. Die Französische Revolution trug dazu bei, dass der Rheinländer Clemens Lothar Wenzel von Metternich nach Wien zog, hier heiratete, als "Kutscher Europas" den Wiener Kongress lenkte und mit repressiven Maßnahmen bis zur Revolution von 1848 als Staatskanzler amtierte.

Grieser porträtiert mehrere Frauen, die - meist infolge ihrer Eheschließung - zu Wienerinnen geworden sind. Die Protestantin Henriette von Nassau-Weilburg sorgte 1816 für den ersten Christbaum in Wien. Die junge Ehefrau von Erzherzog Carl, der 1809 bei Aspern Napoleon die erste Niederlage zugefügt hatte, brachte diesen Brauch aus ihrer deutschen Heimat nach Österreich.