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Wien. Als eine ihrer ersten Maßnahmen hat Vizebürgermeisterin und Klimaschutzstadträtin Birgit Hebein (Grüne) eine Klimaschutzkarte erstellen lassen. Denn: "Hitzewellen kommen immer öfter und länger. Die enorme Hitze belastet alle Menschen in Wien, aber Kindern und alten Menschen macht sie besonders zu schaffen", erklärte Hebein.

Die Klimaschutzkarte zeigt, wo es am heißesten ist, wo es am wenigsten Grünraum gibt und wo die meisten Kinder und alten Menschen wohnen. Sie weist vor allem zehn Hitze-Gebiete aus, also Orte, die besonders stark von der Hitze betroffen sind. Diese Gebiete befinden sich vorwiegend in Favoriten, Ottakring, Landstraße und Margareten.

Auf Betroffene zugeschnitten

In diesen Gebieten leben 47.000 von der Hitze besonders stark betroffene Menschen, also Kinder und ältere Menschen. Diese Erkenntnis hilft der Stadt, Maßnahmen auf die Bedürfnisse der betroffenen Bevölkerungsgruppen zuzuschneiden, wie die Vizebürgermeisterin betonte. Die Hitzekarte wurden im Auftrag der Stadt Wien vom tschechischen Start-up Ecoten erstellt.

"Da wir jetzt wissen, wo genau wir handeln müssen, können wir einerseits rasche, kurzfristige Maßnahmen setzen und andererseits bei langfristigen Planungen darauf achten, dass Bäume gepflanzt werden, Bänke zum Ausruhen und Plaudern aufgestellt werden, es Fassadenbegrünungen gibt, Wasserspielplätze eingerichtet werden, der Verkehr beruhigt wird und die Viertel insgesamt kühler werden."

Unter Hitze leiden demnach vor allem Menschen in Städten. Asphalt und Beton speichern die Wärme, weshalb es auch in der Nacht oft noch heiß bleibt, das Einschlafen schwerer fällt und der Schlaf nicht so erholsam ist. Darunter leiden vor allem jene Menschen, die dort leben, wo es keinen oder wenig öffentlichen Zugang zu Wasser oder Grünraum, wie etwa Parkanlagen, begrünte Innenhöfe oder Badeplätze, gibt, heißt es.

Das Risiko für die Zunahme von Hitzetagen in Wien ist wegen der Klimakrise heute größer als je zuvor. An Hitzetagen steigt die Temperatur über 30 Grad. Zwischen den Jahren 1961 und 1990 erlebte Wien durchschnittlich 9,6 Hitzetage im Jahr. Von 1981 bis 2010 waren es durchschnittlich schon 15,2 Hitzetage pro Jahr. 2019 waren es bis Juni bereits zwölf Hitzetage. Bis 2050 soll es insgesamt um bis zu acht Grad wärmer werden.

Sofortmaßnahmen

Erst Ende Juni musste die Stadt Wien "Sofortmaßnahmen" gegen eine Hitzewelle starten: Mit Sprühnebelschläuchen und Nebelduschen wurden heiße Plätze spontan abgekühlt, zugleich schickte die MA 48 mehr als 40 Waschautos durch die Stadt und kühlte die Straßen mit Wasser. Für längerfristige Maßnahmen wurde im Gemeinderat ein Förderpaket in Höhe von 2,3 Millionen Euro für Begrünungen auf Dächern und Fassaden, für mehr Nebelduschen und Umgestaltung von Hitzeinseln und weitere Kühlungsmaßnahmen für die Bezirke beschlossen. Umweltstadträtin Ulli Sima (SPÖ) hatte unter anderem auch die Pflanzung von 3000 Bäumen pro Jahr angekündigt.

Ursprünglich hatte Hebein im Frühjahr als Ergänzung zum Urban Heat Strategieplan der MA 22 (Klimaschutzabteilung) eine fünfjährige Erhebung aller Hitzeinseln der Stadt angekündigt. Diesen soll dann mit "drei Bs" - "Bankerl, Bäume, Brunnen" - der Garaus gemacht werden. Kein Stadtbewohner soll dann länger als 250 Meter gehen müssen, um zu einer "Grünoase" zu gelangen, hieß es. Auch neue Parks sollen gebaut werden - mit dem Geld aus einem "noch zu dotierenden Klimaschutzfonds".