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Wien. Seit Montagabend zieht ein weißes Zelt beim Wiener Museumsquartier wieder Modebegeisterte aus aller Welt an. Unter ihnen befindet sich auch Kanzlerin Brigitte Bierlein, die der Eröffnung der 11. Vienna Fashion Week beiwohnte und das Spektakel an der Seite von "First Lady" Doris Schmidauer mit viel Applaus bedachte. Bierlein betonte den künstlerischen und kulturellen Wert von Modedesign und verwies auf dessen ökologisches Potenzial - unter diesem Motto stehen auch unter anderem die neu präsentierten Kollektionen des Designers Marcel Ostertag.

"Mode ist eine Form der Kommunikation für mich", sagte Bierlein. "Mode ist zweifellos auch Kunst und ein Kulturgut", persönliches Stilmittel und "ein Spiegel der Gesellschaft", so die Regierungschefin weiter. In ihrer Ansprache zitierte sie eine Stelle aus dem Text der Europahymne: "Was die Mode streng geteilt", hat Friedrich Schiller in der "Ode an die Freude" gedichtet. "Das gehört zum Glück der Vergangenheit an", sagte Bierlein. Die offene, freie Demokratie sei aber nicht selbstverständlich und müsse nötigenfalls auch verteidigt werden, warnte sie.

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"Mehr als Marke und Preis"

Mode, das sei mehr als "Marke, Stoff und Preis", meinte die Kanzlerin: Gerade heute sollten Nachhaltigkeit und Produktionsbedingungen im Vordergrund stehen. Damit stieß sie ins gleiche Horn wie der Star des Eröffnungsabends, Marcel Ostertag (siehe Bild oben, Mitte). "Nachhaltigkeit, das war schon vor 13 Jahren in der Gründungsstunde meines Labels mein Ansatz", sagte der deutsche Designer, der Auszüge aus zwei seiner Kollektionen auf den Laufsteg schickte. Sein Anliegen sei es, Kleidungsstücke zu schaffen, die man immer wieder tragen und entdecken könne - und die dann "immer wieder zu Lieblingsstücken werden".

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In "Lovers", seiner Frühjahr-/
Sommerkollektion 2020, wuchsen Womens- und Menswear zusammen. Die ausgefallenen Prints, Materialien und Silhouetten unterscheiden nicht nach Geschlecht. Die "Heroes" aus der Kollektion Herbst/Winter 2019 sind unter anderem David Bowie, Grace Jones, Mikhail Baryshnikov und Alexander McQueen, die ihn alle in seinem künstlerischen Schaffen beeinflusst haben, wie er sagt.

Geboren 1979 in Berchtesgaden, begann Marcel Ostertag als Fünfjähriger, Ballett zu tanzen, ging ans Salzburger Landestheater und später für 13 Jahre an die Wiener Staatsoper. Verletzungsbedingt musste er das Tanzen aufgeben, verfolgte aber bald schon seinen zweiten Traum, das Modedesign - er besuchte kurz die Esmod Modeschule in München und machte seinen Abschluss am Londoner Saint Martins College.

Mehr als 70 Modeschauen

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Am Beginn seiner Karriere stand eine Kooperation mit der Wiener Designerin Martina Rogy mit Geschäften namens Rogy & Ostertag in München und Wien (2008 geschlossen). Nunmehr arbeitet der Modeschöpfer von Berlin aus, fertigen lässt er im Osten Deutschlands. Bekanntheit erlangte er auch im Fernsehen als Modecoach und Mentor. ("All about you - das Fashion-Duell" mit Franziska Knuppe auf Pro7).

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Marcel Ostertag ist allerdings nicht das einzige Talent, dessen Designs es auf der Vienna Fashion Week zu bewundern gibt. Bis Sonntag stehen mehr als 70 Schauen auf dem Programm - einheimisches Design etwa der Labels Callisti, Pitour, Shakkei und Kayiko, die Designerinnen Anelia Peschev und Sabine Karner sowie Shows der drei Wiener Modeschulen Hetzendorf, Herbststraße und Michelbeuern. Dazu kommen ausländische Modemacher. Ein Höhepunkt ist am Donnerstag mit der Thai Fashion Night angesetzt. Zudem können die Besucher in Pop-up-Stores stöbern, an Mode-Veranstaltungen teilnehmen und auf Partys bis in die Morgenstunden feiern.