Elisabeth Magdlener zeigt auf ein Bild in ihrer Wohnung. "Cripping the Queers. Queering the Crips. Crip-queering the normal", ist darauf zu lesen. Das bringt ihre Einstellung ganz gut auf den Punkt, sagt sie.

Elisabeth Magdlener ist Kulturwissenschafterin und politische Aktivistin. Dabei bewegt sie sich vor allem innerhalb zweier Communitys: einerseits innerhalb der queeren Community, bestehend aus einer Vielfalt von Geschlechtern und Sexualitäten. Andererseits innerhalb der Crip-Bewegung, ein Teil der Behindertenrechtsbewegung, getragen von Personen mit vielfältigen Körperformen und -funktionen. Zwei Szenen, die eine Kritik an dem, was scheinbar normal ist, zusammenbringt. Zwei Szenen, in denen dennoch nur selten Austausch stattfindet. Eine fehlende Begegnung, die Magdlener immer wieder in ihrem Alltag erfährt.

Sie erzählt von einem Tag, der sie immer noch beschäftigt: Vormittags nimmt sie an einer Preisverleihung für besondere Leistungen in der Selbstbestimmt-Leben-Bewegung teil. Am Abend feiert sie auf einer Party eines queer-feministischen Magazins. "Ich fühlte mich den ganzen Tag zwischen zwei Welten zerrissen. Obwohl ich in beiden Bewegungen aktiv bin, habe ich mich weder der einen noch bei der anderen so ganz zugehörig gefühlt. Es ist wichtig, dass in beiden Bewegungen mehr Bewusstsein passiert." Mehr Queerness in der Crip-Bewegung. Mehr Crips in der queeren Bewegung. Mehr Menschen, die sich gegen den Zwang zur Normalität in unserer Gesellschaft stellen. Aber vor allem, mehr Begegnungsorte für alle.

Denn der direkte Kontakt und ein Miteinander sind zentral, um starre Barrieren in den Köpfen abzubauen, erklärt Magdlener. Dazu zählen auch bauliche Barrieren. Erste wichtige Schritte finden bereits statt. So wurde das queere Community-Zentrum Türkis-Rosa-Lila-Villa 2018 umgebaut, um zumindest teilweise barrierefrei zu sein. Ein langer Weg. Die erste Anfrage für einen barrierefreien Umbau wurde 1992 gestellt. 2012 gab es erste Pläne einer Architektin, die zeigten, wie ein solcher Umbau aussehen könnte.

Gesetzliche Verpflichtungen, fehlende Umsetzungen

"Erst jetzt wurde Barrierefreiheit wirklich zur Priorität. Niemand hätte gedacht, dass wir das schaffen. Das zeigt, dass man die Agenda als erste Priorität setzen muss, erst dann werden Barrieren verringert", sagt Raina Hofer. Hofer arbeitet ehrenamtlich in der Türkis-Rosa-Lila-Villa, unter anderem als Teil des Umbauteams, das ebendiese Priorität gesetzt hat.

Begegnungsorte braucht es aber genauso in der Behindertenrechtsbewegung. "Es muss ein Bewusstsein dafür geben, dass es mehr als Behinderung gibt, dass es eben auch queere Menschen mit Behinderung gibt", wünscht sich Magdlener. Dieses fehlende Bewusstsein liege aber auch an den vielen Schieflagen, am Fehlen von Grundrechten und den daran geknüpften Kämpfen, die kaum Platz für andere Themen lassen.