Wien. Ernst Molden hat ihr auf seinem neuen Album ein Ständchen gewidmet. Margit Wolf und ihrem Lokal, dem Café Malipop. Die Grenzen zwischen der Dame des Hauses und ihrer inzwischen zur Institution gewordenen Bar sind beinahe zur Gänze verwischt. Sie ist das Café Malipop.

Der abgenutzte Holzboden knarrt, wenn man das Lokal im dritten Bezirk betritt. Draußen, in der Ungargasse, saust der O-Wagen hastig vorbei. Menschen flüchten hektisch vor dem sich anbahnenden Unwetter. Doch sobald die Eingangstür ins Schloss fällt, ist diese Realität für die nächsten Stunden zweitrangig. Man wirft sie ab wie den alten Mantel, den man später - nur widerwillig - wieder überziehen muss. Das gediegene Ambiente aus Marmortischen, Lederbänken, Holzstühlen und einer Bar, so schwarz und schlicht, wie eine ordentliche Bar aussehen muss, verleiht dem Lokal eine Atmosphäre, die einen gefangen hält. Die Wände tragen stolz die edle Patina jahrzehntelangen Barbetriebs. Der Duft von Tabak und Bier füllt den Raum. So hat es Margit Wolf gerne, denn so muss sie die Menschen nicht riechen.

Schmusen verboten

Wolf ist die Seele des Malipop. Seit 35 Jahren steht sie beinahe täglich hier. Als sie die Bar am 1. März 1979 eröffnete, schwebte ihr ein französisches Bistro vor. Ein kleiner Raum, gefüllt mit Menschen, die sich austauschen und diskutieren. "Ich will Bewegung, Durchmischung", sagt sie, während sie anmutig an ihrer Zigarette zieht. Ihr Äußeres wirkt so, wie das Lokal selbst: mondän und feingliedrig, irgendwie zerbrechlich und doch höchst solide. Sie trägt ausnahmslos Schwarz, wie die hölzerne Decke des Raumes.

Person und Ort strahlen einen bohèmehaften Charme aus, der nur schwer mit der Tatsache zusammenpasst, dass man sich in der Ungargasse befindet. In dieser Gegend Wiens dominieren eher die traditionellen Wirtshäuser mit ihrem Landgasthausflair. Das Malipop ist hier die absolute Ausnahme, ein Refugium für Hedonisten. Wolf führt ihr kleines Reich mit harter, aber durchaus gerechter Hand. Wer sich nicht an die Regeln des Hauses hält, muss mit Worten rechnen, die einem den Heimweg nahelegen.

So ist es natürlich nicht erlaubt, mit den Schuhen auf die Lederbänke zu steigen, auf den Boden zu äschern oder lautstark herumzubrüllen. Man soll kommen, um zu genießen, und nicht um aufzufallen. Seit ein paar Jahren herrscht absolutes Schmuseverbot. "Das ist total unkommunikativ und widerspricht der Idee der Bewegung", unterstreicht Wolf ihr Anliegen. Nur widerwillig denkt sie an die 1990er Jahre zurück, als immer wieder isolierte Menschengruppen ins Café kamen und ihre Umgebung ignorierten. Dies ist nun anders. Das französische Konzept scheint aufzugehen. Die Räumlichkeit selbst hat sich in den Jahren kaum verändert. Warum auch? Die selbst entworfene Ausstattung entspricht genau den Vorstellungen der Hausherrin. Die Bar, fünf Tische und ein Stehbereich auf der hinteren, tiefer liegenden Ebene sind funktional und angenehm arrangiert.