Wien. Alle drei starten zehn Minuten nach zehn Uhr vom Westbahnhof: ein Rad-, ein E-Cargo-Bike- und ein Klein-Lkw-Fahrer. Der Auftrag: Eine Sendung aus einem Büro im 7. Bezirk abholen und in den 2. Bezirk liefern. Der Grund des Wettrennens: Veloce-Boss Paul Brandstätter überlegt, seinen Fuhrpark um Lastenräder zu erweitern. Bisher konnte ihn niemand von deren Vorteilen überzeugen.

"Was bis jetzt an Lastenrädern auf dem Markt war, ist vielleicht gut dafür geeignet gewesen, Kinder in den Kindergarten oder Einkaufssackerln nach Hause zu bringen", erklärt Brandstätter. "Für den professionellen Einsatz waren sie zu langsam, zu sperrig und zu teuer."

Mit Aussagen wie diesen ist der Unternehmer, der seinen Fahrradbotendienst innerhalb von fast drei Jahrzehnten in ein international tätiges Transportunternehmen mit 20 Millionen Euro Umsatz ausgebaut hat, nicht ohne Gegner geblieben. Gerade Fahrrad-Puristen werfen ihm gerne vor, sich von der reinen Lehre entfernt zu haben. Sind doch für Veloce nicht nur Räder, sondern auch Kfz im Einsatz: Die Hälfte der rund hundert Veloce-Fahrer ist motorisiert.

Medienwirksame Entscheidung


Durch die Ausstattung der Cargo-Bikes mit Elektromotoren könnten sich allerdings neue Möglichkeiten ergeben. Mit dem Live-Test, den er für eine Journalistenrunde arrangiert hat, will er eine mehrwöchige Probephase abschließen und - medienwirksam - eine Entscheidung treffen. "Wir wollten wissen, ob ein E-Cargo-Bike aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll ist."

In einem Café in der Praterstraße hat sich Donnerstag Vormittag eine interessierte Gruppe versammelt, um das Experiment zu verfolgen. Die Ankunftszeiten der Boten an den Orten werden notiert. Die Straßenverkehrsordnung ist einzuhalten. Kaum drei Minuten nach dem Start ist Radfahrer "Wolf" auch schon im Impact Hub, einem Gemeinschaftsbüro für Social Entrepreneurs in der Lindengasse, eingetroffen. Drei Minuten nach ihm ist E-Cargo-Lenker "RedBull" da, um die vorbereiteten Papierkartons mit einem Gewicht von 50 Kilogramm entgegenzunehmen. Auto-Kurier "Cro" kommt als Letzter: Mit zwölf Minuten braucht er viermal länger als der Radfahrer. Dabei ist nicht einmal Hauptverkehrszeit.

Dass Brandstätter E-Bikes überhaupt ins Kalkül zieht, liegt am rasanten technologischen Fortschritt. Ähnlich wie bei Elektroautos wurden die ersten E-Lastenräder nachträglich mit Elektromotoren nachgerüstet, ohne die Fahrzeuge von Grund auf neu zu konstruieren. Damals, vor zehn Jahren, waren die Akkus klobig, schwer und kurzlebig.