Irons lebt seit acht Jahren in Wien und hat die Initiative in New York kennengelernt. Seine beruflichen Erfahrungen im Online-Marketing kommen ihm bei der Organisation der "Vienna Greeters" sehr zugute - von der Anmeldung bis zur Kommunikation unter den Mitgliedern läuft alles über Apps und Internet.

Vor allem Senioren unter den Interessenten


Wer sich für einen Spaziergang interessiert, muss sich mindestens zwei Wochen vor dem gewünschten Termin im Internet anmelden. Dann wird geschaut, wer aus dem Pool der Greeter für diesen "Greet" Zeit hat und dazu passt. Spaziert wird in kleinen Gruppen von ein bis maximal sechs Personen. "Sonst gehen der persönliche Charakter und das Gespräch verloren", sagt Jonathan Irons.

Die Treffen starten bei Regen und Sonnenschein, im Sommer wie im Winter. Personen, die sich gemeinsam anmelden, bekommen auch ihren eigenen Greeter. Derzeit sind es vor allem Besucher über 50, die sich für die rund zweistündigen Spaziergänge anmelden. Manchmal sind die Gruppen aber auch sehr gemischt. "Wenn eine Seniorin mit ihrer 16-jährigen Enkelin durch die Stadt spazieren möchte, ist die Herausforderung, ein Programm zu finden, das beide interessiert", sagt Jonathan, der auch selbst durch die Stadt führt. "Und was immer wichtig ist, zu wissen: Wo ist das nächste Klo?"

Spezielle Interessen und Wünsche können die Gäste schon bei der Online-Anmeldung bekanntgeben. "Die meisten Besucher wollen aber einfach Menschen kennenlernen, die hier leben und ihnen ,das andere Wien‘ zeigen statt jenes aus der Touristenperspektive", sagt Jonathan. "Sie wollen einen Eindruck davon bekommen, wie es ist, hier zu leben."

Bewusst heißt es deshalb "Spaziergänge" statt Führungen; Daten und Jahreszahlen sind gut, aber Nebensache, denn: "Unsere Greeter sind keine ausgebildeten Fremdenführer - der kulturelle Austausch, das freundschaftliche Plaudern und die Freude, Fremden die eigene Stadt zu präsentieren, stehen im Vordergrund."

Mittlerweile haben sich Guggi und ihre deutschen Besucher in die klimatisierte Kühle eines Alt-Wiener Cafés zurückgezogen. Wie viele Greeter und Gäste hat auch Guggi das "Global Greeter"-Netzwerk ursprünglich als Touristin in einer anderen Stadt kennengelernt. Wer selbst gerne mit Fremden durch die Stadt spazieren will und mindestens sechs Mal pro Jahr dafür Zeit hat, kann sich auf der Website der "Vienna Greeters" bewerben.

Die Motivation für den unbezahlten Einsatz ist unterschiedlich: Steht für Guggi der Spaß, ihre Stadt herzuzeigen, im Vordergrund, so möchten andere Greeter dabei ihre Fremdsprachenkenntnisse erweitern, haben besonderes Wissen um bestimmte Stadtteile und Orte oder möchten einfach Menschen aus anderen Ländern und Kulturkreisen kennenlernen. Auch für die Greeter bedeutet ein Spaziergang, die eigene Stadt mit anderen Augen zu sehen. Und manchmal gibt es dabei auch für sie noch Neues, Unbekanntes zu entdecken.

Ein bisschen Weltverbesserung


"Aus vielen Greets sind schon Freundschaften entstanden, die dann mit einem Besuch und einem Spaziergang in der jeweils anderen Stadt verbunden waren", sagt Jonathan Irons. Warum man so etwas gratis macht? Diese Frage habe er schon oft gestellt bekommen. "Sobald man dafür bezahlt, erwartet man eine Gegenleistung für sein Geld", sagt er.

"Wir bieten aber keinen Handel, sondern das gemeinsame Erlebnis ist der sofortige Gewinn. Und, wie es ein Greeter in Den Haag so schön gesagt hat: ,Letztendlich geht es immer auch darum, die Welt zu verbessern - warum tut man es sonst?‘"