Etwas mehr als 265.000 Euro kostet eine der neuen WC-Anlagen im Schnitt. Da lässt sich - wie hier im Türkenschanzpark - schon einiges an Luxus erwarten. - © Peter Diem
Etwas mehr als 265.000 Euro kostet eine der neuen WC-Anlagen im Schnitt. Da lässt sich - wie hier im Türkenschanzpark - schon einiges an Luxus erwarten. - © Peter Diem

Wien. Die Moleküle des penetranten Uringestanks bohren sich tief in die Nase hinein, und das bereits gute 30 Meter, bevor man die öffentliche Toilette erreicht. Eigentlich, so lautet die These, gewöhnt man sich schon sehr bald an Gerüche und nimmt sie nach einer kurzen Weile gar nicht mehr wahr. Doch dies scheint nicht für Harnausscheidung zu gelten.

"Man gewöhnt sich daran, sich nicht daran gewöhnen zu können", sagt Konrad P., während er sich eine Zigarette anzündet. Die Ruhe vor dem Sturm, sagt er immer dazu. Nachdem er fertigraucht hat, betritt er die Erleichterungsstätte und macht sich mit seinem Kollegen Josip A. daran, diese zu putzen. Fünf Tage pro Woche, öfters auch am Wochenende, sind die beiden in Wien unterwegs, um die stillen Örtchen der Stadt sauber zu halten. Und auch am heutigen Welttoilettentag werden sie putzen.

266 öffentliche WC-Anlagen gibt es in Wien. 35 davon auf der Donauinsel. Die werden von der Magistratsabteilung 45 (Wiener Gewässer) betreut. 70 befinden sich in U-Bahn-Stationen und werden seit dem 1. Jänner 2014 von den Wiener Linien verwaltet. Für die restlichen 161 ist die MA 48 zuständig. Für ihre Sauberkeit sorgt die Firma Hellrein. Die Frauen und Männer in grau-türkisen Arbeitsuniformen, zu denen auch Konrad und Josip gehören, putzen die Anlagen mit Eifer und einer gesunden Portion Ekel.

Ein Teil der Anlagen wird durchgängig von Wartepersonal betreut und geputzt. Bei Toilettenanlagen ohne regelmäßige Betreuung finden bis zu viermal täglich Reinigungskontrollen statt. "Ja, es ist teilweise wirklich notwendig, die Anlagen öfters aufzusuchen", sagt Konrad präventiv, als hätte er schon mit der Frage, ob so eine Frequenz erforderlich ist, gerechnet. "Man kann gar nicht glauben, wie schmutzig die Leute die Toiletten hinterlassen", erzählt Josip.

Sie beginnen die Arbeit fast immer mit den Pissoirs. Mit einem Schwamm reiben sie die Keramik mit einem starken, industriellen Reinigungsmittel ein. Der Geruch von purer Chemie ist eine willkommene Abwechslung für die Nase. Jeder Millimeter, sowohl von innen als auch von außen, wird gereinigt. Das Becken soll nicht nur sauber, sondern auch frei von Bakterien sein. Danach stürzen sie sich auf die WC-Schüsseln. Josip blickt mit Entsetzen und Resignation in einer der Kabinen, wo die WC-Schüssel ähnlich befleckt ist wie ein Dalmatiner-Hund. "Es ist wortwörtlich ein Scheiß-Job", sagt er.