Wien. Rap lebt. Rap wird auch in Wien laut und macht dabei Schluss mit gewohnter "Fuck your Mother"-Manier. Rap zeigt Vielfalt und politisches Bekenntnis. Zumindest wenn sich die Musiker EsRap, Lev Bro und Kid Pex zusammentun und Österreich erzählen, wieso sie immer noch #Nichtstolzdrauf sind. Die "Wiener Zeitung" gibt einen Einblick in die musikalische Kollaboration, die mit ihrem Track #Nichtstolzdrauf zeigen, dass auf den ersten Blick Unterschiedliches geeint werden kann und auch soll.

Der erste Blick: ein typischer Tag am Yppenplatz. Mittendrin im Getümmel stechen lange, dunkle Locken hervor. Es ist Esra, der weibliche Teil des musikalischen Geschwisterduos EsRap. Sie mischt die Wiener Rap-Szene schon seit längerem mit politischen Texten auf. Daneben nippt der österreichisch-kroatisch Rapper Kid Pex an seinem Kaffee. Zwischen den beiden sitzt Lev Bro, dessen T-Shirt Aufschrift "Wien oida! Beč Oida!" auch am bunten Yppenplatz auffällt. Urheber des zweisprachigen Wien-Shirts ist Kid Pex. Es soll das tägliche Zusammenleben der Menschen symbolisieren. "Zwischen Bosna, Schnitzel und Baklava" eben. Eine Verbindung, die Sinn macht - wie auch die drei mit ihrer Zusammenarbeit zeigen.

"Wir repräsentieren zwar jeweils unterschiedliche Szenen, aber uns verbindet, dass wir unsere Musik auch mit Widerstand zusammenbringen wollen", erklärt Lev Bro. Er bezeichnet sich als Zeckenrapper und hat als Einziger der drei keinen Migrationshintergrund. Aber "an das Konzept von Grenzen, welche uns zwischen Nationen trennen", glaube er ohnehin nicht. Den Widerstand dagegen haben die drei also gemein. Kid Pex versucht dies als selbsternannter "Tschuschenrapper vom Dienst". EsRaps zweisprachige Lieder erinnern eher an den schon seit den 1980ern in Deutschland bekannten Türkisch-Rap. Sucht man diese drei verschiedenen Szenen in Wien, findet man nur vereinzelte Spuren. Eine politische Rap-Szene ist hier kaum vorhanden. Grund genug, um sich zusammenzutun. Nur durch das Miteinander kann Veränderung stattfinden, ist sich Kid Pex sicher: "Es bringt nichts in seinem Mikrokosmos zu bleiben. Es fehlt das gemeinsame Reden. Will ich Sachen ändern, muss ich mit Menschen reden".

"Die Elfriede Jelineks
des Raps"


Dass das Sprechen nicht immer liebevoll gestaltet sein muss, zeigen die drei in ihren Texten. Alle drei setzen auf Provokation. Ob Kid Pex, der in einem seiner aktuellen Tracks mittels Videospiel Mozart killt und dadurch Schlagzeilen wie "Balkan-Rapper killt unseren Amadeus" heraufbeschwört. Lev Bro, der mit seinem "partisan*innenrap" die FPÖ verängstigte, medial skandalisiert wurde und sich im Nachhinein über die Werbung freute. Oder Esra, die sich negativ konnotierte Begriffe aneignet, deren Bedeutung umdreht und selbstbewusst mit Begriffen wie Schwarzkopf oder Kanakin spielt. "Es geht nicht anders, als diese Begriffe für sich zu beanspruchen. Und Rap ist da ein gutes Mittel, weil Rap muss in die Fresse hauen", erklärt Esra die Kraft von Rap. Dass es daher nötig ist, Grenzen der Höflichkeit zu überschreiten, um Missstände anzuprangern, nimmt Kid Pex gelassen: "Rap ist mein reines Gewissen."