Wien. "Uns ist wichtig, dass die Arbeitnehmer wissen, dass die Arbeit im Handel am 8. Dezember freiwillig ist. Der Chef kann niemanden dazu zwingen", betonten die Sprecher der Wiener Allianz für den arbeitsfreien Sonntag, Gertraud Wiesinger und Philipp Kuhlmann, in einer Aussendung.

Trotzdem gab es für die Wiener Handelsangestellten am Dienstag mehr als genug zu tun. Laut einer Umfrage der Wirtschaftskammer Wien nutzten rund 150.000 Menschen den Marienfeiertag dazu, ihre Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Zählt man das zweite Adventwochenende dazu, haben eine halbe Million Shoppingwütige die Wiener Einkaufsstraßen und Einkaufszentren besucht.

Laut Wirtschaftskammer wurde der Marienfeiertag im vorigen Jahr eher für Kurzurlaube oder Freizeitaktivitäten als zum Einkaufen genutzt. Das mag wahrscheinlich daran gelegen haben, dass der 8. Dezember 2014 auf einen Montag fiel und somit viele das verlängerte Wochenende ausnutzten. Heuer wurde er wieder zum Einkaufsfeiertag. Aber auch der Montag wurde als Zwickeltag wohl von vielen als Möglichkeit zum Flanieren auf Wiens Einkaufsmeilen wahrgenommen - auch wenn er in den Berechnungen der Wirtschaftskammer unerwähnt bleibt.

Vor allem Frauen und jüngere Wiener nutzten den Ergebnissen der Wirtschaftskammer-Umfrage zufolge den Beginn dieses langen Shopping-Wochenendes dazu, die Packerl für den Christbaum zu besorgen. Neben Büchern als Top-Geschenken standen auch Spielwaren, Bekleidung, CDs, DVDs und Thermengutscheine auf den Einkaufslisten.

Gewerkschaft prüfte Einkaufszentren

Insgesamt rechnet die Wirtschaftskammer mit 340 Millionen Euro Weihnachtsumsatz und durchschnittlich 350 Euro, die die Wiener für Geschenke ausgeben. Der Handel durfte sich für die Einkaufstage von Freitag bis Dienstag allein über einen Umsatz von etwa 65 Millionen Euro freuen, wenn man den Berechnungen glaubt. Die Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus und Papier (GPA-djp) gibt indes zu bedenken, dass sich die ökonomische Bedeutung des Marienfeiertages in Grenzen halte. Laut Expertenschätzungen trage er weniger als ein Prozent zum Jahresumsatz bei.

Die GPA-djp hatte auch angekündigt, in Einkaufszentren in ganz Österreich nach dem Rechten zu sehen. Besonderes Augenmerk wurde vor allem darauf gelegt, die gesetzliche Entlohnung der Feiertagseinsätze zu kontrollieren und allfällige Verstöße beim Arbeitsinspektorat zu melden. Dies soll sicherstellen, dass jene Handelsangestellten, die ihren Feiertagsdienst leisten, auch gerecht entlohnt werden - ihnen stehen nämlich 100 Prozent Zuschlag und Zeitausgleich zu. So gebührt Handelsangestellten für Arbeitseinsätze von bis zu vier Stunden ein Zeitausgleich in Höhe von vier Stunden, für längere Einsätze sind bereits acht Stunden Zeitausgleich vorgesehen. Dies mache vor allem größere Einkaufszentren und Einkaufsstraßen zu den Profiteuren des Feiertagsgeschäfts, da kleinere Unternehmen oft durch die hohen Mitarbeiterzuschläge auf eine Öffnung verzichten würden, heißt es seitens der Gewerkschaft.

Seit 1995 dürfen die Geschäfte am Marienfeiertag von 10 bis 18 Uhr offenhalten. Anfangs galt diese Regelung nur dann, wenn der 8. Dezember auf einen Samstag fiel. Aber nicht alle Unternehmen nutzen diese Möglichkeit aus. Mit dem Segen von Dompfarrer Toni Faber bleiben etwa die Filialen der Handelskette Billa auch heuer demonstrativ geschlossen. Die Gewerkschaft wird’s freuen.