Wien. (wint) Kaum jemand tut es nicht. Regelmäßiges Fitness-Training ist zu einer völlig legitimen Freizeitbeschäftigung geworden. Niemand wundert sich mehr über seilspringende Pensionisten im Park, Yogagruppen in ehemaligen Geschäftsauslagen oder kraftstrotzende Jugendliche, die am Donaukanal ihre Trainingseinheiten absolvieren. In Zeiten der ständigen Selbstoptimierung wird eher über Menschen der Kopf geschüttelt, die keine Jahreskarte für das Fitnessstudio besitzen. Die neuesten Workout-Programme einschlägiger Online-Portale werden heiß diskutiert. Unterschiedliche Fitnesstrends scheinen sich fast täglich abzulösen. Doch eine der ältesten und wirkungsvollsten Methoden, körperlich gesund zu bleiben, hat dabei immer Konjunktur - der banale Dauerlauf.

Seine ungebrochene Beliebtheit manifestiert sich nicht nur in den joggenden Massen auf den Straßen der Stadt, sondern auch in einer kaum noch zu überblickenden Anzahl an Laufveranstaltungen im Kalender.

Seit sich der Trend in den 1960er-Jahren von Neuseeland in die gesamte Welt verbreitete, schießen Laufveranstaltungen wie die Schwammerl aus dem Boden. Jede Großstadt, die etwas auf sich hält, organisiert sogenannte Laufevents. In Wien erreichte der Vienna City Marathon in seinem 32-jährigen Bestehen eine gewisse internationale Berühmtheit.

Doch auch ein anderer - etwas spezifischerer - Lauf hat in der Hauptstadt schon so etwas wie Tradition. Denn heuer wird er bereits zum 29. Mal ausgetragen - der Österreichische Frauenlauf. Am 22. Mai schnüren wieder ausschließlich Frauen ihre Laufschuhe, um sich auf fünf oder zehn Kilometern mit ihre Mitstreiterinnen zu messen, wie Ilse Dippmann und Andreas Schnabl am Dienstag bei einer Pressekonferenz erklärten.

Die Idee an sich hat keinen feministischen Hintergrund


Dippmann gilt als Erfinderin des Österreichischen Frauenlaufs. Sie lernte die Idee auf dem New York City Marathon kennen und übertrug sie auf Wien. Ab 1988 wurde der Wettbewerb im Schlosspark von Laxenburg ausgetragen, später im Donaupark und seit den späten 1990er-Jahren im Wiener Prater. Hierbei sei weniger ein feministischer Gedanke ausschlaggebend gewesen, als vielmehr der schlichte Versuch, mehr Frauen zum Laufsport zu bewegen. Dies scheint fast 30 Jahre später mehr als gelungen zu sein.

Denn von den 500 Teilnehmerinnen der Anfangszeit entwickelte sich die Veranstaltung in den vergangenen Jahren zu einem wahren Massenevent. Die Veranstalter rechnen auch heuer wieder mit 33.000 Sportlerinnen aus den unterschiedlichsten Altersgruppen, sagte Dippmann. Im Vorjahr war die jüngste Teilnehmerin sechs, die älteste 85 Jahre alt. Scheinbar macht die Selbstoptimierung auch vor Kindern nicht halt.