Mentale Stärke und jahrelange Praxis seien für seinen Beruf unabdingbar, erklärt Detektiv Walter Penk-Lipovsky, der bereits in den 1970er Jahren in der Lucona-Affäre ermittelt hat. - © Detektivbüro Penk-Lipovsky
Mentale Stärke und jahrelange Praxis seien für seinen Beruf unabdingbar, erklärt Detektiv Walter Penk-Lipovsky, der bereits in den 1970er Jahren in der Lucona-Affäre ermittelt hat. - © Detektivbüro Penk-Lipovsky

Wien. Am besten sind sie, wenn man sie nicht sieht. Zu ihren Werkzeugen zählen Observationen und Lauschangriffe. Sie sammeln Fakten und bringen Leute zum Reden. Walter Penk-Lipovsky und Christoph Jäger sind zwei der geschulten Privatdetektive mit eigenen Detekteien in Wien. Und auch, wenn die Nachfrage nach "Schnüfflern" stadtweit gesunken ist, Aufträge und Anfragen gibt es immer.

Penk-Lipovskys Büro hat noch etwas von dem stilvollen Charme einer Detektei, wie man sie aus Filmen kennt. An der Wand prangern Porträts seiner Vorfahren, deren Linie 600 Jahre zurückreicht. "Wir waren immer schon Soldaten", sinniert der 77-jährige über die Entscheidung 1973 zur Spürnase zu werden. Eigentlich kann er sich an den Grund für den eingeschlagenen Weg nicht erinnern. Die Zeit als Jüngling verbrachte er nach der Marineausbildung in Hamburg drei Jahre zur See und später in Kanada, wo er Kriminologie und Zeitgeschichte studierte. Nach diversen Jobs und des Geldes wegen, rutschte er durch das Kennenlernen mancher Promis (darunter Falco, Hans Dichand und Komponist Leonard Bernstein) in die Detektivszene. Zu Anfang war Penk-Lipovsky ein "Personenschützer", bis er 1973 die Detektiv-Prüfung ablegte. Nun ist er konzessionierter und staatlich geprüfter Privatdetektiv und hat mehr als 2000 Scheidungsfälle und zahlreiche Wirtschaftsaufträge bearbeitet.

Lucona-Berichte


Für Aufsehen sorgten 1977 Penk-Lipovskys Recherchen in der "Lucona-Affäre", dessen Berichte Jahre später der Polizei in diesem Versicherungsbetrug von Nutzen waren. Schusswechsel in Deutschland - Notwehr gegen Kriminelle mit Sturmgewehren - und eine Schießerei im Wiener Prater mit glimpflichem Ausgang sind Zeugnisse einer ereignisreichen Karriere. Heutzutage jedoch macht ihm, wie der ganzen Szene, die Wirtschaftskrise zu schaffen. Von 23 Mitarbeitern sind nur noch sechs übrig.

"Die Klienten haben weniger Geld. Auch seitens der Rechtsanwälte sind die Fälle, die sie uns bringen, weitaus weniger geworden". Obwohl Scheidungsfälle lange Zeit über am lukrativsten waren, ist Penk-Lipovsky froh über zumindest deren Rückgang: "Scheidungen haben mir immer Geld gebracht, aber keine Freude. Ich habe Aufträge natürlich gut erledigt, aber hingerissen war ich davon nicht", erzählt der ehemalige Krimiautor mit dem Pseudonym Charles Ryder ("Warum stirbst du nicht in Wien?").

In Wien gibt es laut Wirtschaftskammer 106 aktive Privatermittler. Davon besitzen laut Detektiv-Berufsgruppen-Obmann Robert Goliasch rund zwei Drittel einen formellen Befähigungsnachweis (fachliche und kaufmännisch-rechtliche Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen für den Job) und der Rest einen individuellen (Befähigung auf eine Teiltätigkeit des Gewerbes).

Christoph Jäger, seines Zeichens selbständiger Detektiv mit Büro in der Inneren Stadt, warnt vor Detektiven, die ihre Befähigungen und eingeschränkte Berechtigungen derart unterwandern, indem sie Dienstleistungen anbieten, für die sie nicht qualifiziert sind. Um "schwarzen Schafen" der Szene zu entgehen, rät er zu einem Blick auf die Webpräsenz, das Impressum und der Suche nach dem Nachweis eines "staatlich geprüften", im Gegensatz zu "staatlich befugten", Detektives. Wobei Goliasch hier einwirft, dass eine individuelle Befähigung nicht automatisch bedeute, etwas schlechter zu können. Auch eine fehlende Festnetznummer und Vorauszahlungsforderungen gelten als unüblich und dubios. Notfalls gibt auch das "WKO Firmen A-Z" tieferen Einblick in eine Detektei.

Zehn Prozent sind Frauen


Um Berufsdetektiv zu werden, muss man volljährig sein und eine fünfjährige Praxis als Detektivassistent oder eine ähnliche Beschäftigung, wie etwa Polizist, absolvieren. Seit 2004 gilt die neue Prüfungsordnung zur Gewerbeberechtigung. Rund zehn Prozent aller Detektive in Österreich sind Frauen. Zu den Hauptaufgaben zählen das Aufspüren von Schuldnern oder das Ermitteln von Beweisen für Zivilgerichtsverfahren.

Die Arbeit bei solchen Aufträgen ist eine andere, als sich in den Köpfen, durch Literatur und Rundfunk gefördert, festgesetzt hat. Man kennt sie: Sherlock Holmes mit seinen elementaren Deduktionen, Simon Brenner mit seiner intuitiven Art oder Christies Hercule Poirot, dessen Schicksal es ist, stets für einen Franzosen gehalten zu werden. Sie alle sind zu Ikonen der Kriminalgeschichte geworden. Was aber auf der glänzenden Mattscheibe oftmals glorreich und mysteriös herüberkommt, hat mit dem wahren Leben eines Detektives relativ wenig zu tun. Ein Grund, warum beide Wiener Detektive fiktive Charaktere ablehnen: "Ich sehe mir keine Krimis an. Es ist wie Arbeit für mich, da kann ich nicht entspannen", erzählt Jäger.

Auch Penk-Lipovsky sieht sich weder den berühmten Sonntagskrimi an, noch andere Verfilmungen detektivischen Inhalts: "Im TV zeigen sie Sachen, die zum Teil nicht stimmen. Polizisten dürfen ja diverse Dinge nicht machen. Da ist vieles falsch und ich kann da wirklich gar nicht zusehen".