Ist lernen für die Eltern wichtig, tun sich Kinder leichter, erklärt Dorith Salvarani-Drill. - © Stanislav Jenis
Ist lernen für die Eltern wichtig, tun sich Kinder leichter, erklärt Dorith Salvarani-Drill. - © Stanislav Jenis

Wien. Was treibt einen Menschen an? Warum strebt der eine nach Macht, wird der andere Erfinder und ein dritter Künstler? Die Wiener Juristin Dorith Salvarani-Drill hatte erfolgreich Karriere in einer Bank gemacht. Doch schon lange spürte sie das Bedürfnis, sich sozial zu engagieren. 2013 gründete sie den Verein "Freispiel - Freiwillige für Kinder", der sich für sozial benachteiligte Volksschulkinder einsetzt.

Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer gehen dabei dorthin, wo die Kinder bereits sind: in Horte, vorrangig in Wien, aber auch in Niederösterreich. Dort unterstützen sie Mädchen und Buben, die Hilfe brauchen. Sie erklären die Hausaufgaben, machen Lesetraining, spielen mit den Kindern. "Das sind alles andere als verwöhnte Kinder", betont Salvarani-Drill. "Sie sind es nicht gewöhnt, dass man ihnen eine halbe Stunde lang volle Aufmerksamkeit schenkt."

Dorith Salvarani-Drill ist Jüdin, was für sie im Alltag aber keine große Rolle spielt. Weder trage sie ihr Judentum prominent vor sich her noch lebe sie die Religion. "Ich bin ein säkularer Mensch. Woran ich glaube, sind die Menschenrechte." Dennoch hat ihre jüdische Herkunft viel mit ihrem Engagement zu tun, wie sie im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" verrät. Hier ist das Bedürfnis verankert, gerade Kindern zu helfen - unabhängig von ihrer Religion, unabhängig von ihrer Herkunft.

Von Österreich nach Israel
und wieder zurück


Salvarani-Drills Eltern wurden in unruhige Zeiten geboren. Der Vater wuchs in Niederösterreich auf, doch dann ergriffen die Nationalsozialisten die Macht. Er war acht Jahre alt, als die Familie nach Palästina flüchtete. "Mein Vater hat gelitten, dennoch ging es ihm vergleichsweise gut. Er hatte seine Eltern, er konnte in die Schule gehen. Er hat sich aber sehr schwer getan mit der Sprache, hat sich entwurzelt gefühlt."

Die Mutter hatte ein noch schwereres Schicksal. Ihre Familie lebte in Berlin, doch der Vater war Ungar. Er meinte, in seiner Heimat wäre es sicher, so übersiedelte die Familie 1939 nach Budapest. Der Plan war kein guter. Die Familie wurde in Lagern interniert. Salvarani-Drills Mutter, damals acht Jahre alt, und ihre um drei Jahre ältere Schwester bekamen 1941 im Rahmen der Jugend-Aliyah einen der letzten Plätze für die Flucht nach Palästina. "Es war sehr traumatisch für meine Mutter. Sie hat ihren Vater nie wiedergesehen."