Wien. Wie schafft man es beim Thema Drohnen, ein Regulativ zwischen Spaßbremse und Verantwortungslosigkeit zu finden? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Austro Control bereits seit geraumer Zeit. Im Interview mit der "Wiener Zeitung" spricht Vorstandsdirektor Heinz Sommerbauer über das derzeitige Drohnen Flugbeschränkungsgebiet über Wien, den Druck der Internetgiganten auf die Regierungen, die Drohnengesetzgebung zu lockern und die Herausforderung, dass sich Drohnen und Flugzeuge den Luftraum teilen.

Wiener Zeitung: Welche Regelungen existieren derzeit für die Anschaffung von Drohnen?

Heinz Sommerbauer: Man unterscheidet zwischen Spielzeugdrohnen und jenen, die eine Bewilligung benötigen. Die Spielzeugdrohne ist definiert mit 79 Joule Bewegungsenergie. Wenn man das umrechnet, kommt ein viertel Kilo heraus. Wenn Sie sich eine Drohne in dieser Größe kaufen und den eigenen Apfelbaum im Garten filmen und nicht höher als 30 Meter hinauffliegen, können Sie das ohne Bewilligung der Austro Control tun. Denn durch das relativ geringe Gewicht kann man relativ wenig Schaden anrichten. Alles, was darüber hinaus geht, erfordert eine Bewilligung der Austro Control.

Wie viele Drohnen hat die Austro Control bereits in ganz Österreich, wie viele in Wien bewilligt?

Wir haben in den vergangenen Jahren einen stürmischen Andrang erlebt. Die Gesamtzahl der Anträge nach der Novelle des Luftfahrtgesetzes im Jahr 2014 ist 2600. Davon wurden 2200 positiv erledigt. 2014 hatten wir 150, 2015 schon 410 und 2016 bereits 1195 Bewilligungen. Wien ist ein Sonderfall, da es sich hier um ein Flugbeschränkungsgebiet handelt und Drohnenflüge nur in Ausnahmefällen, wie etwa für Filmaufnahmen, bewilligt werden.

Filmaufnahmen werden meist mit größeren Drohnen gemacht. Welche Voraussetzungen sind nötig, um eine derartige Drohne navigieren zu dürfen?

Drohnen dürfen in Österreich nur mit Sichtverbindung geflogen werden und nicht höher als 150 Meter aufsteigen. - © fotolia/Riko Best
Drohnen dürfen in Österreich nur mit Sichtverbindung geflogen werden und nicht höher als 150 Meter aufsteigen. - © fotolia/Riko Best

Wir haben einen risikobasierten Ansatz. Je schwerer die Drohne und je dicht besiedelter das Gebiet ist, desto strenger sind die Auflagen. Ein Rolling Stones Konzert im Prater zu filmen, erfordert natürlich strengere Auflagen, als den eigenen Apfelbaum abzufilmen. Sie müssen etwa nachweisen, dass die technischen Systeme redundant sind. Wenn ein System ausfällt, muss das nächste eingreifen. Auf unserer Homepage findet man sehr detailliert, welche Unterlagen dazu notwendig sind. Insgesamt gilt: Die Höhe des Risikos definiert die Auflagen. Das ist ein Ansatz, den wir entwickelt haben und der jetzt von der EASA (europäische Agentur für Flugsicherheit, Anm.), die an einem gesamteuropäischen Regulativ arbeitet, übernommen wird.

Zurzeit kommen Drohnen meist für Filmaufnahmen oder in der Landwirtschaft zum Einsatz. Große Internetwarenhäuser wollen, ihre Waren künftig mit Drohen versenden. Wie realistisch erscheint das?

Internetwarenhäuser haben das strategische Ziel, Pakete bis zu einer gewissen Gewichtsklasse, egal zu welcher Zeit, innerhalb einer halben Stunde zu zustellen. Dann steht eben die Drohne vor dem Fenster und Sie können sich das Buch rausnehmen. Technisch wird das alles möglich sein, aber das heißt, dass Drohnen dann auch in Lufträume fliegen, in denen Flugzeuge unterwegs sind und das ist natürlich eine riesige Herausforderung. Es laufen derzeit viele Versuche und spannendende Überlegungen. Es gibt beispielsweise einen holländischen Studenten, der eine Ambulanzdrohne entwickelt hat, mit der ein Defibrillator geliefert wird und die eine Funk- und Sichtverbindung zum Ort herstellt, wo der Herzinfarktgefährdete ist. Gleichzeitig, wird ein Medikament verbracht und die Drohne stellt eine Sprechverbindung zum Arzt her. In Dubai wird außerdem gerade ein Drohnentaxi getestet. Sie steigen ein und geben Ihr Ziel an. Die Drohne hebt ab und bringt sie in einen anderen Stadtteil. Es wird auch daran gearbeitet, dass Ballone Drohnen in den ganz oberen Luftraum bringen und dort riesige Warenlager oder Internetstationen eingerichtet werden. Die Einsatzmöglichkeiten sind unendlich.

Diese Einsatzfelder erfordern allerdings, dass Drohnen ohne Sichtkontakt gesteuert werden können, was derzeit rechtlich nicht erlaubt ist.

Das wird über kurz oder lang in ganz Europa ein Thema werden. Im militärischen und zivilen Bereich gibt es das ja jetzt auch schon. Zur Flüchtlingsrettung im Mittelmeer etwa werden jetzt schon Drohnen eingesetzt, zu denen natürlich keine Sichtverbindung besteht. Auch bei den Grenzsicherungen wird bereits viel mit Drohnen gearbeitet. Ich bin mir sicher, dass es langfristig bis hin zur Benutzung des gemeinsamen Luftraums gehen wird. Zur Zeit bewegen sich Drohnen auf einer Flughöhe bis 150 Meter. Der eigentlich spannende Bereich ist aber, was darüber hinaus passiert. Wenn man Drohnen auf lange Reisen schicken will, sie also in den Bereichen der normalen Luftfahrt kommen. Derzeit versucht man überall auf der Welt, die Dinge auseinanderzuhalten. Hier die bemannte Flugfahrt, mit der Sie auf Urlaub fliegen, dort die Drohnen. Aber der nächste Schritt wird die Integration sein und dann ist die spannende Herausforderung: Wie verträgt sich der Flugverkehr der Drohnen mit der bemannten Luftfahrt?