Wien. "Was ist der Unterschied zwischen einem Vorarlberger und einem Türken?" Stille. "Der Türke kann besser Deutsch." Heftiges Gelächter. Insbesondere die Kinder und Jugendlichen im Publikum lachen laut los, vereinzelt hört man laute "Yeah!"-Rufe. Spätestens mit dieser Szene ist das Eis zwischen den Darstellern des Musiktheaters "Liebe Hoch 16" und dem bunt gemischten Publikum am Volkertmarkt in der Leopoldau gebrochen. Ein Publikum, in dem der Erste Wiener Landtagspräsidenten Harry Kopietz ebenfalls zu finden ist wie türkische Marktstandler mit seinen Kindern.

Schauplatz des Stückes ist jedoch nicht der Volkertmarkt, sondern der Brunnenmarkt in Ottakring. Natürlich. Denn welcher Ort in Wien eignet sich besser, um eine Liebesgeschichte à la "Romeo & Julia" verknüpft mit Wiener Migrationsgeschichte auf die Bühne(n) zu bringen. Auf Bühnen, die ab der Premiere am 7. Mai wandern werden: Das Museumsquartier wird dabei ebenso bespielt wie der Yppen- und der Columbusplatz oder der Floridsdorfer Markt. So soll Theater zu "kulturfernen Schichten" in Wiener Bezirke mit hohem Migranten-Anteil gebracht werden.

Austropop, türkischer Rap, Wiener Soul und Operngesang


Ein Theater, das sich zwischen Rap und Operette, zwischen Wienerlied und traditionell türkischen Klängen bewegt. Dafür wurden Künstler zusammengebracht, die auf den ersten Blick nur wenig miteinander zu tun haben: Die Austropop-Legende Wilfried Scheutz schrieb die Songtexte, der syrische Shooting-Star Ibrahim Amir ist für Handlung und Dialoge verantwortlich. Clemens Wegner von "5/8erl in Ehr’n" komponierte die Musik, sein Bandkollege Robert Slivovsky steht als Kommissar und Vermittler auf der Bühne. Von Esra Özmen, ein Teil des Duos "EsRap", kommen die gerappten Szenen. Opernsängerin Regina Schörg und Kopf des Kabaretts "Derwisch erzählt" Aret Aleksanyan stellen die verfeindeten Familienoberhäupter und Fleischhauer-Konkurrenten dar, die sich gegen die Liebe ihrer Kinder stellen.

"Dieses Zusammentreffen der verschiedenen Künstler ist etwas Neues, etwas Einmaliges. Ich weiß nicht, ob sich in Zukunft nochmal eine derartige Gelegenheit anbieten wird. Aber der erste Schritt ist getan. Der erste Schritt, um mehr zu mischen und ein neues Wien zu zeigen", kommentiert Ibrahim Amir das Stück gegenüber der "Wiener Zeitung". Der syrische Kurde flüchtete vor 17 Jahren von Aleppo nach Wien. Mittlerweile schloss er nicht nur sein Medizinstudium ab, sondern ist gleichzeitig Nestroy-Preisträger und begehrter Dramatiker im deutschen Sprachraum.