Wien. Schlussendlich waren am vergangenen Samstag am Kahlenberg mehr Polizisten als Identitäre und Gegendemonstranten vertreten. Etwa 150 Anhänger der Bewegung trafen sich zu einem Gedenkmarsch anlässlich der Befreiung Wiens während der zweiten Türkenbelagerung 1683 durch den polnischen König Johann III. Sobieski. Auch die drei Gegendemonstrationen kamen auf etwa 150 Teilnehmer. Die Polizei sperrte das Areal aus Sicherheitsgründen großräumig ab. Die beiden Gruppen bekamen einander nicht einmal zu Gesicht, da die Identitären kurzfristig ihre Route geändert und statt des Cobenzls den Leopoldsberg angesteuert hatten.

Ein zwiespältiges Bild


Die Gegendemonstranten skandierten, einen Faschistenaufmarsch stoppen zu wollen. Dabei entsprachen die Teilnehmer des Gedenkzugs so gar nicht dem typischen Bild von Neonazis. Sakkos statt Bomberjacken, augenscheinlich Menschen, die man an jeder Straßenecke oder im Supermarkt treffen kann.

Dieses zwiespältige Bild zeigte sich auch am Samstag. Einerseits sollte der Marsch mit anschließendem Fackelzug vordergründig an die Befreiung Wiens erinnern. Andererseits beschworen die Veranstalter immer wieder "den Geist von 1683", verglichen indirekt Zuwanderer und Flüchtlinge mit den osmanischen Belagerern. "Wir wissen, dass wir auf der richtigen Seite der Geschichte stehen, wir wissen, dass wir die Guten sind", wurde verkündet.

Auch wenn sie es nicht wollen, werden die Identitären immer wieder von Kritikern, wie zuletzt Samstag, ins "braune Eck" gerückt. Mitunter direkt, wenn Gegendemonstranten die Identitären öffentlich als Faschisten und Rassisten bezeichneten. Auch indirekte Seitenhiebe blieben nicht aus. So sperrte das Caférestaurant Cobenzl am Abend des Gedenkzuges bereits um 18 Uhr zu und verkündete - wohl nicht ohne Augenzwinkern -, die Erlöse jedes konsumierten "Kleinen Braunen" an das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) zu spenden.

Sind diese Zuschreibungen gerechtfertigt? "Es sind tatsächlich keine Neonazis", stellt Rechtsextremismusforscher Bernhard Weidinger vom DÖW im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" fest. Die Bewegung distanziere sich im Grunde klar vom Nationalsozialismus und vermeide offene Kooperationen mit eindeutig neonazistischen Gruppen. Als rechtsextrem und neofaschistisch sei sie trotzdem einzustufen. Diese Gesinnungen seien aber nicht automatisch neonazistisch, so Weidinger.