Als zentrales Argument für die rechtsextreme Einstufung nennt Weidinger das Identitäre Idealbild von im völkischen Sinne möglichst reinen Gemeinschaften und ethnischer Homogenität, welche laut Auffassung der Bewegung Demokratie überhaupt erst möglich mache. "Sie sind zwar für Pluralität, diese soll sich aber nebeneinander entwickeln und möglichst nicht vermischen", sagt er.

Gegen Islam und "Schuldkult"


Als Bezugspunkte gelten das Abendland und der Islam als gemeinsamer Feind. Im Vorfeld der Veranstaltung meldeten sich aber auch besorgte Bürger bei der "Wiener Zeitung", die berichteten, dass jüdische Anrainer wegen des Identitärenaufmarsches um ihre Sicherheit fürchten. Für Bernhard Weidinger ist das nachvollziehbar, auch wenn die Identitären per se nicht antisemitisch auftreten. Nichtsdestotrotz sei die Bewegung ähnlich Neonazis gegen einen in Österreich und Deutschland angeblich praktizierten "Schuldkult", was die Vergangenheitsbewältigung angehe. Auch Verschwörungstheorien, dass die Fluchtbewegungen nach Europa gesteuert seien, um es zu zerstören, kursieren laut Weidinger in identitären Kreisen. Die Identitäre Bewegung war zu Redaktionsschluss für eine Stellungnahme zu diesen Zuschreibungen nicht erreichbar.

"Die Identitären haben von Anfang an den taktischen Ansatz einer NGO verfolgt, quasi wie Greenpeace für die nationale Identität", erläutert Weidinger. Mit ihren Aktionen würde sie zwar mitunter Verwaltungsübertretungen begehen, sich aber im Rahmen der Gesetze bewegen. Auch die von der Gruppe propagierte Gewaltfreiheit sei Kalkül. "Andere, gewaltbereite Ansätze würden nicht auf Massenzuspruch stoßen", meint Weidinger.

Provokateure zieht es trotzdem an. Im Vorfeld des Gedenkzugs berichtete ein Aktivist auf einer Gegenveranstaltung der Sozialistischen Linkspartei am Bahnhof Heiligenstadt von Pöbeleien einer kleinen Gruppe Rechtsextremer, die sich als Faschisten bezeichneten und der Identitärenveranstaltung anschließen wollten. Sie hätten auch den in Deutschland, aber nicht in Österreich verbotenen "Kühnen-Gruß" verwendet. Die Straßensperre am Cobenzl hielt die Männer übrigens vom Mitmarschieren ab.

Die Autorin Stefanie Sargnagel spricht indes auf Facebook davon, dass von den Identitären antimuslimische Hetze betrieben wurde, "umgeben von Polizisten, die lachend und kumpelhaft mit ihnen tratschen, als wäre es das normalste der Welt". Sie beschreibt aggressives Auftreten der Polizei gegenüber den Gegendemonstranten, während "Beschimpfungen von Rechts" ignoriert wurden.