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Wien. Alles begann mit einem Flashmob: Mehr als 1000 Mitarbeiter der IT-Branche zogen 2014 in gelben T-Shirts zum Rathaus, um der Stadtregierung ihr Anliegen vorzutragen. Sie wollten das Bewusstsein für den IT-Sektor in Wien stärken. Es war die Geburtsstunde der Digital City Wien, einer Initiative, die von Beschäftigten in der IT-Branche getragen wird. Ihr Ziel: Vernetzungsmöglichkeiten schaffen, um Projekte auf den Weg zu bringen und zu fördern. "Schnitzel und Sissi allein reichen nicht. Wir wollen die Nullen und Einsen der Stadt zeigen", sagt Martin Gieswein, selbst in der IT-Branche tätig und Mitbegründer der Digital City Wien. Bei den Digital Days, die von 20. Bis 21. September in der Universität Wien und im Rathaus stattfinden, werden die Ergebnisse verschiedener Projekte präsentiert, die die Initiative gefördert hat.

Akteure vernetzen


Vor allem die rasche Entwicklung digitaler Technologien ist es, die vielen Leuten Angst macht. Sie haben das Gefühl, sich an die neuen Bedingungen nicht schnell genug anpassen zu können. Laut Joe Pichlmayr, ebenfalls Mitbegründer der Digital City Wien, ist Vernetzung die einzige Antwort auf diese Komplexität. "Als Einzelkämpfer werden wir es nicht schaffen, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen", so Pichlmayr. Ein Netzwerk verschiedener Akteure dagegen sei flexibler und innovativer. Um die Zusammenarbeit zwischen Forschungseinrichtungen und Konzernen zu fördern, initiierte Digital-City-Mitbegründerin Sandra Stromberger, das Projekt "Industry meets Makers". IT-Unternehmen können dabei Projekte ausschreiben, die dann gemeinsam mit Bildungseinrichtungen umgesetzt werden. Aus solchen Kooperationen entstandene Konzepte werden ebenfalls im Rahmen der Digital Days präsentiert.

Eine andere Möglichkeit der Vernetzung bietet der "Digital Monday". Einmal im Monat treffen sich dabei Unterstützer der Initiative, um Aktuelles zu diskutieren. "Die Kooperation mit lokalen Akteuren ist sehr wichtig für internationale Unternehmen", weiß auch Klaus Schmid. Er ist Geschäftsführer des österreichischen Tochterunternehmens NTT Data und in der Digital-City-Initiative vernetzt.

Neben Privatwirtschaft und Forschungseinrichtungen nennt Ulrike Huemer die öffentliche Verwaltung als weiteren wichtigen Akteur für einen erfolgreichen IT-Standort Wien. Eine gute Zusammenarbeit dieser drei Beteiligten sei einer der Erfolgsfaktoren des Silicon Valley.

Kinder und Frauen in die IT


Der rasch wachsende IKT-Sektor (Informations- und Kommunikationstechnologie) fordert auch einen großen Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften: Bis 2020 werden laut Digital City etwa 40.000 neue Mitarbeiter in der IT-Branche benötigt. Oft ist es für Unternehmen aber schwierig, qualifizierte Arbeitskräfte in der nötigen Menge zu finden. Gerade darum sei es wichtig, Kinder und Jugendliche früh mit digitalen Technologien in Berührung zu bringen. "In den Schulen und bei den Pädagogen herrscht da noch Aufholbedarf", sagt Ulrike Huemer. Sie ist als Chief Information Officer der Stadt Wien (CIO) für IT-Belange zuständig. Mit einer Bildungsinitiative sollen IT-Experten in die Schulen gebracht werden, um Kindern digitale Kompetenz zu vermitteln. Dieses Angebot werde sehr gut angenommen, so Huemer. "Gerade in den Volksschulen ist die Kreativität und Begeisterungsfähigkeit der Kinder noch sehr stark ausgeprägt." Bei Jugendlichen sei es dagegen schon schwieriger, Interesse zu wecken. Die Aufgabe von Digital City Wien sieht sie dabei vor allem in der Koordination der verschiedenen Initiativen.

Auch in Bezug auf den Frauenanteil sehen die Beteiligten der Digital City Wien noch Aufholbedarf: In der Wiener IT-Branche ist diese mit 14 Prozent zwar höher als in anderen Ländern, jedoch immer noch zu niedrig, findet Huemer. Gerade in Hinblick auf den Arbeitskräftemangel gelte es den niedrigen Frauenanteil zu überdenken: "Auf die Hälfte aller verfügbaren Talente zu verzichten, ist auch wirtschaftlich Unsinn", ist sie überzeugt.

Enden werden die Digital Days 2017 jedenfalls wieder so, wie alles begonnen hat: Mit einem Event in gelben "I like IT"-T-Shirts im Wiener Rathaus.