Honzo, der Gefürchtete, hatte nur "Bosheiten" im Kopf

Zwilling landete auf dem Tullner Flugfeld, mit 27 Kisten voller Jagdtrophäen und vier Schimpansen: Fanny, Fips, Madame - und Honzo. Er war mittlerweile ausgewachsen und 1,20 Meter groß. Wenn er sich und seine Arme ausstreckte, erreichte er zwei Meter.

Während man seine Kollegin Madame in ein Tirolerkostüm steckte, präsentierte man Honzo Whiskey trinkend und Zigaretten rauchend. Die damalige "Arbeiter Zeitung" schreibt fast ein wenig furchtsam, dass Honzo "nichts als Bosheiten im Kopf" hatte, und analysiert: "Zwilling führt diese Charaktereigenschaft darauf zurück, daß Honzo lange Zeit von Eingeborenen geneckt wurde. Das Tier konnte sich dieser Zudringlichkeiten schließlich nur so erwehren, daß es Holzknüppel, Steine und andere Gegenstände ergriff und auf die Menschen losging. Außerdem hat sich Honzo sehr an den Genuß von Wein und Bier gewöhnt, so daß er wie ein Alkoholiker sehr ‚grantig‘ ist, wenn er lange Zeit nichts zu trinken bekommt."

Für die vier Schimpansen-Neuankömmlinge gab es zwei Käfige: Madame, mit eineinhalb Jahren die jüngste Neue, wurde isoliert gehalten. Somit mussten Fanny und Fips ihr Gehege mit Honzo teilen. Doch der machte gleich bei der feierlichen Eröffnung in Schönbrunn mit allem Nachdruck klar, dass er nicht WG-tauglich war. Das "Neue Österreich" vom 20. September 1951 beschreibt die Szene folgendermaßen: "Er riß sich von seinem Wärter los, als dieser die Tür hinter ihm schließen wollte, und versuchte durch die den Käfig belagernde Menschenmenge zu entkommen. Frauen kreischten auf, Kinder weinten, als der stämmige Affe zähnefletschend näherschlich. Ehe man sich’s versah, grub der Schimpanse seine scharfen Zähne in den Arm des Zunächststehenden. (...) Auch ein Journalist war unter den ‚Verwundeten‘."

Honzos ewige Ruhe im Naturhistorischen Museum

In der Tageszeitung "Presse" vom 26. September 1951 heißt es, dass er nach einer kurzen Besserungsphase "plötzlich in seine Urwaldsitten zurückfiel. Tiergartendirektor Julius Brachetka und der Wärter Schopper versuchten, sich ihm anzubiedern, als er plötzlich auf die beiden losfuhr und Brachetka recht empfindlich in die Hand und den Oberschenkel und den Wärter in die Hand biß, denselben Wärter, der vor einiger Zeit einen Klapperschlangenbiß glücklich überstanden hat. Am Nachmittag erlitt Ernst Zwilling bei einem zweiten Versuch das gleiche Schicksal, er wurde ins Knie gebissen."

Sein Verhalten tat Honzos Beifall keinen Abbruch, und nicht zuletzt wegen seiner "dröhnenden Urwaldtänze" wurde er zum "Star des Schönbrunner Ensembles". Zwilling führte Besuchergruppen durch den Tiergarten, wo Honzo "zur Begrüßung seines Herrn einen wilden Csárdás tanzte, daß das Affenhaus wackelte".

Zigaretten und Spirituosen blieben Honzos treue Gefährten - bis zum Ende: Am 4. Mai 1953 starb er an einer Lungenentzündung. Ein Zyniker würde hinzufügen, dass Honzo den Spiegel der österreichischen Seele darstellt: Raucher, Trinker, Grantscherben - und "Nazi-Opfer", als welches sich die Zweite Republik lange bezeichnet hatte. Noch heute wird der präparierte Honzo im Naturhistorischen Museum Wien gezeigt - allerdings ohne Zigarette, ohne Whiskey - und ohne seine Hintergrundgeschichte.