Dicke Menschen, die Sex im Wasserbett haben. Ein Inder, dessen "lustiger" Akzent imitiert wird. Asylwerber, die von der Caritas Geld für’s neue Smartphone bekommen: Wer über solche Witze nicht lachen kann, musste bisher einen weiten Bogen um gängige Comedy-Formate machen.

Doch seit einem Jahr gibt es mit dem PCCC* einen Comedy Club, bei dem einen das Lachen nicht im Halse stecken bleibt. "Ich wollte einen Comedy-Abend, bei dem möglichst alle was zu lachen haben", sagt Denice Bourbon.

Die gebürtige Finnlandschwedin, ein Fixstern der Wiener LGBTIQ-Szene (LGBTIQ steht für lesbisch, schwul, bi-, trans- und intersexuell, queer), ist früh mit Stand-up-Comedy in Berührung gekommen. Die Einflüsse ihres Idols Bette Midler sind bei ihrem glamourösen Alter Ego als Bühnen-Diva ersichtlich.

Zum Interview kommt sie zu spät, ist aber – zu ihrer eigenen Überraschung – nicht verkatert. Im schwarzen Lonsdale-Hoodie erklärt sie bei einer Tasse grünem Tee, dass sie sich früher nicht getraut habe, Comedy zu machen. Wer die selbstbewusste Blondine einmal live gesehen hat, glaubt das kaum. Auf Nachfrage erfährt man: Es fehlte ihr vor allem der Antrieb, alleine etwas auf die Beine zu stellen.

Zwei Bekannte, Towander Flagg und Josef Jöchl, ließen sich nicht lange bitten, und bilden heute gemeinsam mit Bourbon das Organisations-Trio. Zweifel gab es dennoch. Es sei eine große Überwindung gewesen, sich auf die Bühne zu stellen und das Publikum zum Lachen zu bringen, erzählt Jöchl.

Der lustige Buchhändler entpuppt sich als Publikumsliebling

Klassisches Stand-up, Musikeinlagen und Storytelling: An jedem PCCC*-Abend stehen acht Gäste auf der Bühne, von denen die meisten kaum Bühnenerfahrung haben. "Ich kannte diesen Buchhändler, den ich gefragt habe, weil ich ihn so lustig fand. Inzwischen ist er unser Publikumsliebling", erklärt Bourbon.

Die Prämisse, dass jeder Scherz PC - also politisch korrekt - sein muss, macht es nicht einfacher. "Selbst unsere Freundinnen und Freunde dachten, es wäre unmöglich, politisch korrekt und lustig zu sein", erklärt Bourbon. Die Prämisse von PCCC* lautet: Immer nur nach oben schlagen, nie nach unten treten. Politikerinnen und Politiker kriegen also durchaus ihr Fett ab.

Um auf die Bühne zu dürfen, muss man mindestens schwul sein

Anders als sonst im Kabarett- und Comedy-Bereich sind bei PCCC* meisten Comedians weiblich und kommen aus der queeren Szene. Jede von ihnen hat zehn Minuten Zeit, um das Publikum zu unterhalten.

Dürfen auch Heteros auch auf die Bühne? "Man muss mindestens schwul sein", erklärt Jöchl, "männliche, weiße, heterosexuelle Männer haben überall sonst eine Bühne. Aber klar, in erster Linie wollen wir lustige Leute auf der Bühne haben und nicht ausschließlich diskriminierte."

Auch im Publikum sind Personen in der Mehrheit, die sonst in der Minderheit sind. Der Name PCCC* (Politically Correct Comedy Club) wurde gewählt, weil er ausgesprochen wie "pissy sissy" klingt." Vor allem geht es uns darum, die Bezeichnung 'politisch korrekt', die von den Rechten instrumentalisiert wird, zurückzuerobern", sagen die Organisatorinnen.

Sie wollen das Image der politischen Korrektheit aufpolieren: "Die Rechte tut immer so, als gäbe es keine Gründe für politische Korrektheit und als wäre das etwas von oben Auferlegtes. Dabei kommt die PC-Bewegung von unten, von den Minoritäten", sagt Jöchl.

Aber wie schafft man es, immer politisch korrekt und gleichzeitig lustig zu sein? Ist nicht jeder Scherz für irgendjemanden verletzend? Eine Torte ins Gesicht zu bekommen oder auf einer Bananenschale auszurutschen ist doch immer nur für die anderen witzig?

Es kommt immer auf den Kontext an

"Das ist ein Missverständnis. Politisch korrekter Humor schließt Schadenfreude nicht aus", sagt Towander Flagg. "Aber wir fragen uns immer: Wer rutscht aus, wer lacht wann und warum, und wer ist das Publikum." Es komme auf den Kontext an, erklärt das Organisations-Trio: Wenn die US-amerikanische Stand-up Comedienne Margaret Cho den koreanischen Akzent ihrer Mutter nachmacht, sei das vor einem multikulturellen New Yorker Publikum weniger problematisch als im Wien, wo der Saal oft voller weißer Menschen ist.

Damit jeder Witz auch wirklich nicht verletzend ist, steht bei den PCCC*-Vorbereitungstreffen ein "sensitivity reader" zur Seite: Sina Wurm greift als kritische Stimme von außen ein, falls doch ein Witz problematisch ist.

"Wir imitieren sowieso keine Akzente, aber oft sind es subtilere Dinge, wie: Kann ich einen Witz über mein eigenes Übergewicht machen, ohne dass sich jemand anderer schlecht fühlt?" fragt Towander Flagg.

Eine Liebesbeziehung mit dem Publikum

Dass sich kaum Menschen außerhalb der queer-feministischen Blase zu den Abenden verirren, ist für Bourbon kein Problem: "Es gibt ja keinen safe space, aber wir haben sicher einen 'safer space‘ geschaffen. Unser Publikum ist so wohlwollend. Ich habe eine Liebesbeziehung mit dem Publikum."

Und PCCC* dürfte auf Gegenliebe stoßen: Bisher war jeder der vier Comedy-Abende ausverkauft, weshalb ab März der große Saal im Wiener WUK als neuer Veranstaltungsraum dient.

Zudem fragte der ORF an, ob PCCC* bei der ORF-Serie "Pratersterne" mitmachen möchte. Bei dem Gastauftritt bewies Towander Flagg, dass man Tabus brechen kann, ohne auf Gefühlen herum zu trampeln: Sie sagte innerhalb von fünf Minuten 20mal das Wort "Lesbe".