Wenn alles klappt, geht es bald in den Augarten. Dort müssen diese Häuser noch saniert werden, um als Workshopraum und Bürogebäude dienen zu können. - © www.cityfarm.wien
Wenn alles klappt, geht es bald in den Augarten. Dort müssen diese Häuser noch saniert werden, um als Workshopraum und Bürogebäude dienen zu können. - © www.cityfarm.wien

Wien. Hinter dem Tiergarten, dort, wo das Giraffenmännchen Kimbar mit den beiden Weibchen Rita und Carla seinen Alterssitz hat, befindet sich der Eingang zum historischen Areal der Kammermeierei. Einen Teil davon hat die City Farm als Untermieter der Gartenbauschule HBLFA gepachtet. Seit 2011 werden dort auf 4000 Quadratmeter Anbaufläche Kinder und Erwachsene ans Gärtnern herangeführt. Es gibt Workshops, Führungen über das Gelände, das sonst der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist, und auch Gemüseraritäten können verkostet werden. Rund 5000 Gäste zählt man laut City Farm jährlich. Auch beim Besuch der "Wiener Zeitung" an einem verregneten Spätwintertag wühlen einige Kinder in der Erde eines Beetes.

Keine Angst vor dem Gemüseanbau


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Gründer und Leiter der City Farm ist Wolfgang Palme. Der Abteilungsleiter für Gemüsebau an der Gartenbauschule brennt förmlich dafür, den Menschen Gemüse schmackhaft zu machen. "Ich will den Menschen die Angst davor nehmen, Gemüse anzubauen", sagt er zur "Wiener Zeitung". Sein Forschungsschwerpunkt liegt beim Wintergemüse. Trotz der Kälte gibt es auf einem Weidenbeet der City Farm schon Sauerampfer und Barbarakresse mit bereits kräftigem Geschmack zu verkosten. "Salat ist bis minus 11 Grad winterhart", erzählt Palme aus seinem Forschungs-Nähkästchen. Man bräuchte also nicht unbedingt teure Gewächshäuser, um sich auch im Winter ausreichend mit Vitaminen zu versorgen. Seine Vision ist es, so vielen Menschen wie möglich einen ökologischen und ressourcenschonenden kleinteiligen Gemüseanbau näher zu bringen.



Der Plan für die City Farm im Augarten. - © archipel architekten
Der Plan für die City Farm im Augarten. - © archipel architekten

2015 meldete die Gartenbauschule für das Areal Eigenbedarf an, der City Farm wurde mit Herbst 2018 gekündigt. Für Palme ist das auch eine Chance, hatte er doch bei der Suche nach einem Ersatzstandort von Anfang an den Augarten im Blick. "Angeboten wurden uns auch Flächen In der Wiesen in Liesing oder im Lainzer Tiergarten. Da brauche ich dann nicht mehr von "Urban Gardening" reden, es ist ja hier in Schönbrunn schon grenzwertig", erzählt er. Der Augarten ist zentraler und leichter zu erreichen. Im Umfeld liegen Schulen, die keinen Innenhof haben. Und es würde auch im Falle des Augartens ein Bereich zugänglich gemacht, der derzeit nicht öffentlich zugänglich ist. Es handelt sich um ehemalige Baumschulquartiere der Österreichischen Bundesgärten.

Langwierige Vertragsverhandlungen

Um den Garten vom Tiergarten in den Augarten zu übersiedeln, wäre jetzt der beste Zeitpunkt. Jetzt, bevor die Sträucher wieder austreiben. Sie sind bereit, frisch geschnitten. Doch es fehlt noch die Unterschrift unter dem Vertrag. Seit zweieinhalb Jahren wird mit der Burghauptmannschaft verhandelt, die den Augarten verwaltet. Der zuständige Burghauptmann Reinhold Sahl hofft im Gespräch mit der "Wiener Zeitung", dass der Vertrag im nächsten Monat abgeschlossen werden kann. Es habe viele komplexe Fragestellungen gegeben, die auch vertraglich fixiert werden mussten, von der Finanzierung über Denkmalschutzfragen bis hin zu der Tatsache, dass das Gelände dann im Dauerbetrieb wäre. Auch die Regelung der Zufahrten war ein Thema. Alles in allem ist es eine sehr komplexe Verhandlungsmaterie, steht doch das gesamte Areal – nicht nur die Gebäude – unter Denkmalschutz: "Im Zuge der Verhandlungen sind immer wieder neue Themen aufgetaucht, die wir uns genau anschauen und in den Vertrag aufnehmen mussten," sagt Sahl zur "Wiener Zeitung".

Eine Auflage, um die City Farm in den Augarten zu verlegen, ist, die beiden Gebäude, die sich auf der besagten Fläche befinden, zu sanieren. Es handelt sich dabei um eine alte Werkstätte und eine so genannte Ledigenunterkunft. Erstere könnte in einen Workshop-Raum umgebaut werden, letztere könnte als Bürogebäude genutzt werden. Die Kosten für die Sanierung der Gebäude belaufen sich auf ca.eine halbe Million Euro. Um die Basisfinanzierung zu schaffen, wurde im vergangenen Herbst eine Crowdfunding-Aktion gestartet. Diese brachte bisher rund 50.000 Euro. Große Sponsoren im Hintergrund hätten Summen zugesagt, die einen Großteil der restlichen Gesamtinvestition abdecken werden. Damit könntedie Übersiedelung in den Augarten angegangen werden, so Wolfgang Palme.

Die Pläne für die Sanierung der Gebäude gibt es ebenfalls bereits. Wie lange es noch bis zur Umsetzung dauert, hängt dann auch vom Bundesdenkmalamt ab. Vorbedingung ist eine Unterzeichnung des Vertrags. Dann kann der Garten einmal in den Augarten übersiedeln und der Betrieb fortgesetzt werden.