Wien. Andreas hatte es schon einmal einfacher. Mitten in der Nacht brettert der Taxilenker mit seinem alten Mercedes über die menschenleere Ottakringer Straße. "Uber will die ganze Branche zerstören und beherrschen", klagt der Mittvierziger, während er an einer Kreuzung halten muss. Ungefragt erzählt er von Umsatzeinbußen, von "miesen Tricks" des Mitbewerbers aus Übersee und davon, dass er sich das wohl nicht mehr lange antun werde. Die schummrige Straßenbeleuchtung bahnt ihm den Weg zum Stadtrand, dem Ziel der Fahrt.

Die Taxilenker spüren, wie die Konkurrenz um die Kundschaft wächst. Im Rückspiegel beobachtet eine ganze Branche, wie sich der amerikanische Fahrdienstvermittler Uber immer schneller nähert - und zum Überholmanöver ansetzt. Der Frust der Taxilenker ist spürbar. Andreas ist nicht alleine. Weltweit protestieren Taxifahrer gegen die digitale App, die Fahrgäste unkompliziert und günstig von A nach B bringt.

Das Start-up, das 2009 in Silicon Valley gegründet wurde, mischt bestehende Märkte weltweit durch Dumpingpreise und fragwürdige Arbeitsbedingungen auf und wurde schnell zu einem der großen Tech-Giganten. Diese Entwicklung machen auch andere etablierte Branchen durch. Was Uber für den Verkehr ist, ist Airbnb für die Hotellerie und Amazon für Fachgeschäfte, wie etwa Buchhandlungen.

Moritz Stephan. - © Alexandra Laubner
Moritz Stephan. - © Alexandra Laubner

Über Jahre haben wir uns alle an die bequemen Dienste aus dem Internet gewöhnt. Es ist eben wirklich praktisch: Statt dem teuren Taxi wird ein Uber-Auto mit dem Smartphone gerufen, statt eines klassischen Hotels wird am Laptop eine Innenstadtwohnung mit schicker Dachterrasse für die Städtereise gebucht und anstatt nach der Arbeit am Heimweg noch durch eine Einkaufsstraße zu pilgern, wird das neue Lieblingsbuch gemütlich vom Sofa aus in einem Onlineshop geordert. Die Bequemlichkeit ist dabei größer als das schlechte Gewissen.

- © Albert Gea/reuters
© Albert Gea/reuters

Ganz folgenlos ist diese Entwicklung jedoch nicht: Ganze Branchen erodieren, lokale Wirtschaftstreibende straucheln und dem Fiskus entgehen Steuereinnahmen. Die Umwälzung geht so schnell, dass der Gesellschaft erst langsam schwant, wie weitreichend sie sein wird - und dass es Regeln für das digitale Wirtschaften brauchen wird. Doch was kann man wirklich gegen die digitalen Giganten machen? Soll man überhaupt? Und wie? Sind unsere Konsumgewohnheiten schuld oder sind die Gesetze zu lasch?

Kampf Rechtsstaat gegen Digitalökonomie

Der Vormarsch digitaler Großkonzerne hat gewohnt-bekannte Muster in unseren Tagesabläufen verändert und revolutioniert. Davon bleiben auch Großstädte wie Wien nicht verschont. Der Kampf lautet oft Rechtsstaat gegen Digitalökonomie. Der Sieger steht noch nicht fest. Wenn es nach Moritz Stephan geht, ist die Politik gefordert. Der 17-Jährige sitzt am Gang der Sir-Karl-Popper-Schule im 4. Bezirk und philosophiert über eine gerechte Welt der Zukunft. Seine Schulkameraden stürmen währenddessen pünktlich zur Pausenglocke lautstark die Flure. "Die Digitalisierung bietet viele Chancen, im Endeffekt muss aber die Politik darauf schauen, dass alle Menschen profitieren, sonst wird die Gesellschaft auseinanderdriften", ist er sich sicher.