Wien. Ein 36-jähriger Mann ist am Mittwochnachmittag vom Landesgericht für Strafsachen vom Vorwurf freigesprochen worden, seine Wohnung in Liesing wenige Stunden vor seiner Delogierung angezündet zu haben, um diese in letzter Minute abzuwenden. Der Freispruch erfolgte im Zweifel, wie der Vorsitzende des Schöffensenats, Andreas Böhm, betonte. Die Entscheidung ist bereits rechtskräftig.

"Ich hab‘ das nicht gemacht", hatte der Angeklagte von Anfang an versichert. Der 36-Jährige hatte 2008 mit seiner Lebensgefährtin und zwei Söhnen eine schicke neue Wohnung bezogen. Ab Mitte 2012 blieb er immer wieder die Miete schuldig, Mietzins- und Räumungsklagen waren die Folge. Der Mann hatte sich selbstständig gemacht, mit seinen Geschäften jedoch finanziellen Schiffbruch erlitten. Am 11. November 2016 sollte die Familie um 8 Uhr delogiert werden.

Wenige Stunden, bevor der Gerichtsvollzieher anklopfte, brach im Schlafzimmer, in dem der Vater mit seinen Söhnen nächtigte - die Frau schlief nebenan - ein Brand aus. Der Angeklagte deutete an, im Kasten befindliche Akkus oder Batterien könnten explodiert sein. Ein von der Justiz beigezogener Brandsachverständiger konnte keine eindeutige Brandursache feststellen, kam aber zum Schluss, dass es nur einen Brandherd gegeben haben dürfte.

Für den Freispruch ausschlaggebend waren die Aussagen des zehnjährigen Sohnes und der Ex-Lebensgefährtin des Angeklagten. Der Bub erklärte, er wäre in der Nacht aufgewacht, "weil es gestunken hat". Er habe darauf den schlafenden Vater geweckt. Dieser habe entdeckt, dass der Schlafzimmer-Schrank zu brennen begonnen habe. Die Ex-Freundin gab an, der Angeklagte habe nicht - wie von der Anklage angenommen - fluchtartig die Wohnung verlassen, sondern Löschversuche unternommen. Dem Senat reichte die Beweislage nicht aus, um einen Schuldspruch zu fällen.