Auch die Kundschaft selbst scheint sich etwas "verfeinert" zu haben - zumindest, wenn man alten G’schichtln über Meidlinger Pülcher und wilde Stoßspieler glaubt, die heute noch hinter vorgehaltener Hand erzählt werden. Legendär im Bezirk sind etwa die "Schmutzer-Buam". Pitzl relativiert: "Gegen die heutigen Verbrecher waren die harmlos. Der eine Schmutzer ist manchmal bei mir gewesen, der hat ja da im 23. Bezirk eine Schweinezucht gehabt. Und Stoßbrüder haben sich nicht eingenistet, ich hab nur eine Tarockrunde gehabt. Das hab ich von meinem Vater übernommen, weil das Kartenspielen um Geld endet meistens im Streit."

Kein Problem mit Radaubrüdern


Da Pitzl die Weinhauskultur von der Pieke auf gelernt hat, hatte er auch nie Probleme mit Radaubrüdern: "Die hab ich rechtzeitig entsorgt. Ich hab ja 97, 100 Kilo gehabt, da war das kein Problem." Doch vor allem sein menschliches Gespür sorgte für problemlose Weinhaussitzungen, so Pitzl weiter: "Die Leute haben immer gesagt: ‚Heans, haben Sie unter jedem Tisch ein Ohrwaschl liegen?‘ Ich hab immer gleich mitgekriegt, wenn es wo ein bisschen strittig geworden ist, und da hab ich schon rechtzeitig geschlichtet." Dass in der Gegend einige Lokale zugesperrt haben, "ist Fluch und Segen zugleich", so Pfandler: "Auf der einen Seite hat man nicht viel Laufpublikum, auf der anderen Seite sind die Leute in der Umgebung dankbar, wenn’s einen klassischen Nahversorger gibt." Pfandler, der selbst zehn Jahre in Meidling gewohnt hat, meint, dass die Gegend im Kommen ist: Gleich neben seinem Lokal ist ein Craft-Beer-Store, daneben das Alt Wiener Schnapsmuseum, und "am Meidlinger Markt ist in den letzten Jahren auch viel passiert". Pitzl nickt zufrieden, und Pfandler schenkt neuen Wein ein.

Weinhaus Pfandler
Dörfelstraße 3a, 1120 Wien

www.weinhaus-pfandler.at