Marianna bestreitet die Oldtimer-Rallye mit ihrem pinken "Plüschmobil". - © WZ/F. Boschek
Marianna bestreitet die Oldtimer-Rallye mit ihrem pinken "Plüschmobil". - © WZ/F. Boschek

Wien. Der Geruch von verbranntem Benzin und Sonnencreme liegt in der Luft. Die Motorhauben und Karosserien diverser Autos blenden die Besucher. Diese ziehen in ihren Badeschlapfen und mit Handtüchern über den Platz - für viele ist das Oldtimer-Schauen wohl ein Boxenstopp auf dem Weg ins Freibad.

Der Moderator des heutigen Vormittags heißt Wolfgang, mit Wiener Schmäh begrüßt er die Gäste der 16. "Vienna Classic Days". Am Programm des zweiten Tages des dreitägigen Festivals steht ein Rennen mit Zwischenstopps in der Wiener Innenstadt. Neben Wolfgang sitzt eine Dame und notiert, welcher Oldtimer zu welcher Uhrzeit an der Startlinie vorbeigefahren ist.

Die Jagd um die Trophäe kann beginnen. Ein Oldtimer nach dem anderen fährt auf dem ausgelegten roten Teppich an der Bühne vorbei. Insgesamt sind mehr als 188 Fahrzeugbesitzer zusammengekommen, um an dem Rennen teilzunehmen. Kein Wagen ähnelt dem anderen. Genauso unterschiedlich sind die Personen, die die Rostlauben restauriert und wieder zum Fahren gebracht haben. Marianna ist eine von fünf Frauen, die heute hinter dem Lenkrad sitzen. Ihren Fiat 850 Spider hat sie mit ihrem Mann in ihrer Heimwerkstatt hergerichtet.

Da die Karosserie nicht mehr zu retten war, bezog die Fremdenführerin das Kraftfahrzeug mit Plüsch. Seitdem zieht sie mit ihrem Oldtimer in Pink durch die Stadt. Ihr lustigstes Erlebnis mit dem Plüschmobil war, als ein Mann völlig entsetzt meinte, dass man so etwas solch einem Auto doch nicht antun könne, wie Marianna schmunzelnd erzählt. Sie ist stolz, mit ihrem knallig pinken Fiat beim Rennen dabei zu sein.

Eine Rarität aus dem Jahr 1923

Ramis bestreitet die Rallye mit seinem Sohn und seinem Enkel. - © WZ/F. Boschek
Ramis bestreitet die Rallye mit seinem Sohn und seinem Enkel. - © WZ/F. Boschek

Das älteste Fahrzeug der gesamten Messe gehört dem Teilnehmer Ramis. Sein amerikanischer Dort-Touring wurde 1923 gebaut. Von diesem Modell gibt es weltweit nur mehr drei Stück.

Eines davon hat Ramis wieder auf Vordermann gebracht. Die Felgen und das Lenkrad bestehen ausschließlich aus Holz. Für Ramis ist es ein Familienausflug: Mit seinem Sohn und seinem Enkel als Beifahrer düst er durch die Wiener Innenstadt. Gut in Erinnerung geblieben ist dem Bastler, als es das Fahrzeug einmal mit der alten Wasserpumpe nicht auf den Kahlenberg geschafft hat. Erst vor kurzem hat er diese ausgetauscht und kann jetzt auch auf den Aussichtspunkt fahren, ohne sich zu sorgen.

Ein Oldtimer der MA 48

Der Lehrmeister Herbert hat den Tornado 16.192 mit seinen Lehrlingen auseinander- und wieder zusammengebaut.  - © WZ/F. Boschek
Der Lehrmeister Herbert hat den Tornado 16.192 mit seinen Lehrlingen auseinander- und wieder zusammengebaut.  - © WZ/F. Boschek

Auch das Waschboden-Fahrzeug der MA 48 ist heute dabei. Der Tornado 16.192 ist mit dem Baujahr 1975 eines der jüngeren Modelle. Es wurde von Lehrlingen der MA 48 unter Aufsicht von Lehrmeister Helmut über eineinhalb Jahre lang renoviert. Das Fahrzeug der Straßenreinigung ist seit 1990 außer Dienst und fährt nur noch bei Großveranstaltungen mit. Bei der Regenbogenparade ist es das erste Waschfahrzeug, das mit der Aufräumtruppe ausfährt.

Die Veranstalter geben an, dass 15.000 bis 20.000 Besucher bei den "Classic Days" dabei waren - bei wohlgemerkten 31 Grad am Samstag. Bleibt zu hoffen, dass sich im Anschluss eine Mitfahrgelegenheit zur Alten Donau bot.