Wien. Nur schleppend kommen Wiener Wirtschaftskammer und ÖBB mit ihren Bemühungen um Wiens Anbindung an die Seidenstraße voran - um 420 Kilometer soll der derzeitige Endpunkt in Kosice samt breitspuriger Schienenverlängerung nach Wien verlagert werden. Es gibt aber nachwievor keinen Standort für einen Endterminal, keine Staatsverträge mit den betroffenen Transitländern, allen voran der Slowakei. Immerhin erwartet sich Österreichs Logistikbranche positive Effekte durch eine direkte Schienenverbindung mit China.

In einer von der Kammer beauftragten Studie unter Führungskräften in der Branche glauben 91 Prozent an positive Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort. Weiters beschäftigen 63 Prozent der Befragten bereits eine eigene Abteilung mit dem Thema, in manchen Firmen (13 Prozent) befasst sich das Top-Management damit. Für Alexander Biach, stv. Direktor der Kammer und Österreichs "Mr. Seidenstraße", ein gutes Zeichen. "Vor zwei, drei Jahren wurde das Projekt noch belächelt", sagt er. Das habe sich nun geändert. Die Logistikbranche ist für ihn ein guter Gradmesser für Stimmungen in den Unternehmen. Wären ihre Kunden nicht interessiert an der Seidenstraße, wäre es für die Logistikbranche ebenso nicht relevant.

In den vergangenen Jahren wuchs das Handelsvolumen zwischen der Europäischen Union und China. Waren es 2006 noch Importe in der Höhe von 196 Milliarden Euro, so sind es zehn Jahre später 345 Milliarden Euro. Auch die Exporte nach China stiegen an. 2006 wurden Waren im Wert von 64 Milliarden Euro exportiert, zehn Jahre später waren es 170 Milliarden Euro. Die Zahlen zeigen aber auch, dass die EU doppelt so viel von China importiert, als sie exportiert.

Österreichs Absatzmarkt
würde sich vergrößern

Biach gibt sich gelassen. Einmal mehr betont er, dass eine Abkapselung auch keine Lösung sei. Eine Anbindung an China auf der Schiene würde zudem Österreichs Absatzmarkt vergrößern. Derzeit exportiert Österreich Kraftfahrzeuge und Fahrzeugteile in der Höhe von 155 Millionen Euro nach China, gefolgt von medizintechnischen Produkten (100 Millionen Euro) und Maschinenteilen (70 Millionen Euro). Im Gegenzug importiert Österreich elektronische Geräte, vor allem Handys, im Wert von einer Milliarde Euro, Geräte zur Datenverarbeitung (350 Millionen Euro) und Elektromotoren (135 Millionen Euro).

3500 Arbeitsplätze in Österreich und 17.500 Arbeitsplätze in der Slowakei würde die 420 Kilometer lange Verlängerung schaffen. Wohin der Endterminal in Österreich gebaut werden könnte, steht noch nicht fest. Ein möglicher Standort bei Parndorf wurde zuletzt von der Gemeinde und der burgenländischen Landesregierung abgelehnt. Derzeit kümmert sich die ÖBB um einen neuen Ort. Nächstes Jahr soll dieser feststehen.

Um eine Gemeinde für das Projekt zu überzeugen, sollen Mittel für Infrastruktur, etwa für den Bau von Schulen zur Verfügung gestellt werden. Einerseits um den Arbeitsplatz rund um das Terminal zu attraktivieren, andererseits um eine der aussterbenden Gemeinden im Wiener Umland als Standort zu gewinnen.