Wien. "Ich fühle mich wie ein werdender Vater bei der Geburt", sagt Georg Hoanzl im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" am Tag vor der großen Wiedereröffnung. "Das Köpfchen schaut schon heraus, aber man hat noch nicht ins Gesicht geschaut." Bei seinem Baby handelt es sich um das Globe Theater (www.globe.wien) in der Marx Halle im 3. Bezirk, das sich genau ein Jahr und einen Monat nach dem verheerenden Brand in der Nacht auf den 10. September 2017 jetzt wieder in der Wiener Kulturszene zurückmeldet.

Morgen, Mittwoch, feiern Hoanzl und sein Compagnon Michael Niavarani das große Comeback ihres Theaters, in dem bis zur letzten Minute Hand angelegt wird. Hoanzl ist selbst gespannt darauf, "wie es mir in diesem neuen Globe gehen wird". Noch im Frühsommer war es eine halbe Ruine, die teilweise nicht betreten werden durfte. "Wir haben monatelang nicht gewusst, ob und wie es weitergeht", erzählt Hoanzl. Dann musste alles ganz schnell gehen.

"Davor hat es aber erst einmal Monate gedauert, um die substanziellen Schäden nach dem Brand zu klären", erzählt Hoanzl. Erst im März waren die endgültigen Gutachten fertig. "Bis dahin waren uns die Hände gebunden." Nicht zu vergessen den Umgang mit den Behörden, der per se eine Herausforderung ist, auch wenn Hoanzl betont, "dass alle sehr bemüht waren, uns zu helfen - jeder wollte das Beste für uns".

Verursacht hatte das Feuer ein Pärchen (19 und 20 Jahre alt), das für eine Geisterbeschwörung eine in der Halle gefundene Fackel angezündet hatte - mit fatalen Folgen. Zu den massiven Brandschäden kam für das Globe-Team auch noch die Vertragsunsicherheit. Lange Zeit war nicht klar, wie es mit der Marx Halle weitergehen würde. Erst Anfang Jänner fiel die Entscheidung über den neuen Eigentümer: Die Hey-U Mediagroup, bis dahin Hallenpächter, setzte sich in einer Ausschreibung durch, und damit war auch die Zukunft des Globe gesichert. Hoanzl ist jedenfalls froh, dass mit der Übernahme der Marx Halle durch Hey-U "jetzt eine stabile Eigentümerstruktur besteht und wir einen fachkundigen guten Partner haben, der die Grundvoraussetzungen für diesen Neubeginn geschaffen hat". Mit Hey-U gab es schon davor eine gute gemeinsame Basis, betont er. "Mit einem anderen Partner, der nicht so viel Verständnis von der Materie hätte, wäre es schwieriger gewesen."

Eigenproduktionen wie "Romeo & Julia" oder "Richard III." wird es im Globe erst wieder in ein paar Jahren geben können. - © Moritz Ziegler
Eigenproduktionen wie "Romeo & Julia" oder "Richard III." wird es im Globe erst wieder in ein paar Jahren geben können. - © Moritz Ziegler

Wie komplex so ein Theater ist, zeigt allein die Tatsache, dass am Wiederaufbau 60 verschiedene Firmen beteiligt waren und sind. Sie alle sind nun auf einer Dankestafel im Globe vereint. Immerhin konnte der Neuanfang auch für Verbesserungen genutzt werden. Das bestehende Raumkonzept ist gleich geblieben, "es sind aber die Erfahrungen der vergangenen Jahre in den Wiederaufbau eingeflossen", erzählt Hoanzl. So wurde das ganze Theater gedreht: "Wo früher die Bühne war, wird jetzt der historische Eingang mit der wunderschönen Glasfront genutzt", erläutert Hoanzl.